Muttertag – ein Feiertag!?

Auch die NPD-Niedersachsen
benutzte 2011 den Muttertag
für ihre Propaganda

Für viele Blumengeschäfte bedeutet der Muttertag wohl eines: nämlich einen enorm großen Umsatz zu machen. In vielen Schaufenstern wird mit Geschenkideen geworben. Vielleicht kennt ihr es auch selbst, an diesem Tag einen Blumenstrauß zu besorgen – einfach so aus Gewohnheit oder weil es schön ist.

Doch wir haben uns bei dem ganzen Brimborium gefragt: Wie ist der Muttertag eigentlich enstanden? Und welche Rolle hat er in der Vergangenheit gespielt? Und wieso müssen wir uns dabei mal wieder die Zeit des Nationalsozialismus ansehen?

Und tatsächlich: Der Muttertag in Deutschland wurde wirklich von den Blumengeschäften angekurbelt. Doch dann wir sind auch auf die ziemlich unschöne Geschichte des Muttertags gestoßen:

Was heutzutage gefeiert wird, hatte früher zum Ziel, die Ideologie des Nationalsozialismus (NS) zu stützen. Der Muttertag im Nationalsozialismus war Teil eines “NS-Mutterkult”, der die Frau auf die Mutterrolle reduzierte und ihr die Funktion zum “Erhalt der arischen Rasse” zuschrieb.

Ganz schön krass! Denn trotzdem wird der Muttertag immer noch so leichtfertig gefeiert. Deshalb hier ein hilfreicher Blick in die Vergangenheit…

Anfänge in den USA
Als Gründerin des Muttertages gilt die amerikanische Frauenrechtlerin Ann Maria Reeves Jarvis. Sie initiierte Mitte des 19. Jhd. eine Mütterbewegung, die es Frauen ermöglichen sollte, sich zu aktuellen Fragen auszutauschen und sich in Zeiten des Krieges gegenseitig zu unterstützen.

Als sie 1905 starb, begann ihre Tochter für die Einführung eines offiziellen Muttertages zu kämpfen. Damit hatte sie im Jahr 1914 Erfolg und der Tag der Mutter als Feiertag wurde national in den USA anerkannt.

In Folge fand der Muttertag auch international Verbreitung. In Deutschland wurde der Muttertag im Jahr 1922 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber aus wirtschaftlichen Gründen aufgegriffen und beworben.

Von den Nazis instrumentalisiert
Im Mai 1934 wurde der Muttertag von der NSDAP (der Partei der Nazis) als nationalsozialistischer Feiertag eingeführt. Das Nazi-Regime benutzte diesen Tag nicht, um Frauen als Mütter zu unterstützen, sondern um ihr völkisches Frauenbild zu verfestigen. So wurde beispielsweise auch der internationale Frauentag, der am 8.März gefeiert wird und die emanzipatorischen Kämpfe der Frauen bündeln soll, in der NS-Zeit verboten.

Das “Mutterkreuz”

Verleihung des Mutterkreuzes;
Quelle: Wikipedia.de

Ab dem Jahr 1938 wurde am Muttertag das sogenannten Mutterkreuz verliehen. Damit wurden Mütter ausgezeichnet, die viele Kinder zur Welt brachten. Das Mutterkreuz gab es in drei Stufen: in Bronze ab vier, in Silber ab sechs und in Gold ab acht Kindern. Die Verleihung des Mutterkreuzes war festlich aufgeladen und wurde als propagandistisches Mittel gebraucht.

Mutterkreuz-Trägerinnen wurden nicht nur verehrt, sondern hatten verschiedene Vorteile. Im Bus und bei öffentlichen Veranstaltungen musste ihnen beispielsweise ein Platz frei gehalten werden und bei Ämtern und Behörden wurden sie bevorzugt behandelt.

Die Voraussetzung zur Verleihung des Mutterkreuzes enstprach der rassistischen NS-Ideologie. So wurden zum Beispiel Mütter denen “Arbeitsscheue” oder “Trunksucht” zugeschrieben wurde, wurden als “nicht geeignet” betrachtet.

“Mutter-sein” im Sinne der Nazi-Ideologie
Es wurde also ein verherrlichtes Bild “deutscher Mütter” geschaffen. Gleichzeitig gab es heftige Gewalt gegen Frauen und Mütter, die nicht in das rassistische Weltbild der Nazis passten. Der NS-Mutterkult war Teil einer sogenannten“Rassenhygiene”, oder auch Eugenik genannt, die zur Zeit des Nationalsozialismus betrieben wurde. Sie diente dem völkischen Gedanken an eine angeblich höherwertige “arische Rasse”.

Es gab Eheverbote, Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisation. Jüdische und von den Nazis als “nicht-arisch” klassifizierte Frauen und Kinder wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Frauen in der NS-Zeit

Werbe-Plakat des rassistischen
“Hilfwerkes für Mutter und Kind”
aus der NS-Zeit

Die Mutterschaft wurde in der NS-Zeit zur wichtigsten Lebensaufgabe von Frauen geamcht. In der Nazi-Ideologie war “die Frau” ein naturbestimmtes Wesen mit dem alleinigen Ziel Kinder zu gebären. Die Familie wurde in der NS-Zeit dem erdachten “deutschen Volk” untergestellt und als Teil der rassitischen Politik missbraucht.

Muttertag heute
Auch wenn die Nazis den Muttertag nicht direkt erfunden haben, so haben sie ihn zu einem Großteil geprägt und für ihre rassistischen Ziele eingesetzt.

Was in der Vergangenheit passiert ist, können wir leider nicht ändern. Wir können uns allerdings damit beschäftigen und uns versuchen, bewusst zu machen, was der Nationalsozialismus in Deutschland für Folgen hatte.

Muttertag? Oder doch lieber Frauentag?!
Viele Frauen stehen immer noch in der schwierigen Frage zwischen Beruf und Kinderkriegen. Doch einen Anspruch auf Gleichberechtigung haben nicht nur Frauen, die Kinder kriegen, sondern natürlich alle Frauen. jede Frau verdient doch Anerkennung in ihrer persönlichen Situation und hat einen Anspruch auf gleiche Rechte. Vielleicht brauchen wir also gar keinen Muttertag, sondern eher einen Tag für Frauen?! Und sollten Mütter nicht eher öfter für ihre wichtige Rolle als “Mutter” bedacht werden? Die Mühen und Anstrengungen der Kindererziehung haben Eltern doch auch 365 Tage im Jahr!

Was ist denkt ihr dazu? Wusstet ihr von der Geschichte des Muttertags? Habt ihr noch Ideen, wie man auf die NS-Vergangenheit des Muttertages aufmerksam machen kann, um auch andere über die schwere Thematik des Muttertags zu informieren?

 Text von P.C. Jackson

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1 Kommentar

  1. Anja sagt:

    @no-nazi.net
    Oha das ist ja krass, so habe ich das noch nie gesehen also der Muttertag als Tag an dem die Frau zur Mutter “herabgestuft” wird… Ich denke ich werde meiner Mum in Zukunft was zum Weltfrauentag oder einfach mal so nen Strauss Blumen oder ne Karte ohne “Anlass” schenken, das bringt sowiso n besseres Familienklima als wenn man für alles nen Grund braucht und nichts einfach mal so schenkt… Eltern schenken ihrern Kindern sowiso viel mehr als man ihnen zurückgeben kann… Noch ein Grund so etwas wie Muttertag nicht zu unterstützen…
    Ich bin gespannt wie andere darüber denken, freue mich auf Ideen und Vorschläge wie man da was ändern kann in der Gesellschaft…
    Anja

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