Was zum Henker?

Den bekannten Neonazi Treffpunkt “Zum Henker” in Berlin Schöneweide gibt es seit 2009, die Kneipe diente den Nazis lange als Veranstaltungsraum für Konzerte einschlägiger Musik und zur Begegung mit den Kameraden. Regelmäßig tauchte der “Henker” in Polizeistatistiken und Verfassungsschutz Berrichten auf. Das Lokal war glas klar ein zentralen Treffpunkt der Rechten Szene in Berlin, bis jetzt der Hauseigentümer, ein Immobilienunternehmen aus Erlangen, dem Wirt sowohl die eigene Wohnung im Haus als auch die Kneipen Räumlichkeiten fristlos kündigte.

Warum Nazikneipen die Rechte Szene stärken und was man gegen Naziläden tun kann.

Eine feste angemietete, gepachtete oder gekaufte Immobilie ist für Nazis eine wichtige Infrastruktur. Eine solche Lokalität ist ein sicherer Anlaufpunkt für Gleichgesinnte und ein Ort an dem Nazis sich treffen um gemeinsame politische Projekte zu planen.  Im Gegensatz zu Treffen in Privaten Wohnungen, bieten diese allgemein zügänglichen Räume Nazis die Möglichkeit für öffentliche Veranstaltungen, über die man neue Leute erreichen kann. Eine Kneipe ist gleichzeitig Rückzugsraum um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen und Veranstaltungort für Musikabende und inhaltliche Vorträge.

Ein Laden bedeutet für die Nazis einen Anlaufpunkt zu haben, das stärkt die Szene, macht sie Selbstbewusst und öffentlichkeitswirksam. In Berlin konnte man zudem bereits kurz nach der Eröffnung der Kneipe in der Umgebung eine klare zunahme von straftaten erkennen (siehe Statement des berliner Senats). Eine Nazi-Niederlassung bedeutet meist auch ein Einrichten der Szene im Kiez drumherum, wie es in Berlin – Schöneweide der Fall ist. Viele Nazis wohnen in der Umgebung, sie fühlen sich dort wohl, denn man findet nicht nur einschlägige Kneipen wie der “Henker” sondern auch Läden von Nazis für Nazis.

Das Haus in der Brückenstrße war dem Vermieter zwar schon lange als Treffpunkt der Rechten bekannt, dennoch drängte der breite öffentliche Protest verschiedener Initiativen in Berlin den Vermieter letztendlich erst jetzt zur fristlosen Kündigung.  Rechtlich muss noch geprüft werden ob die Kündigung zulässig ist, aber ein gutes Zeichen gegen Neonazis in Schöneweide ist gesetzt! Besser spät als nie!

Nazikneipen, Kleider-, Musik- oder sogar Waffengeschäfte, die eindeutige Symbole, Bands und Marken verkaufen gibt es leider vieler Orts. Wie immer wenn man mit Rechtsextremismus zu tun hat, gilt: werdet aktiv und seid kreativ! Eure Proteste und der öffentliche Druck auf Vermieter und die lokalen Behörden können die Nazihochburgen tatsächlich zum Einsturtz bringen, und damit die lokale Szene massiv schwächen, wie es in Berlin passiert ist!

Ein paar Tips von uns wie man Nazikneipen dichtmachen kann:
*Gründet Bündnisse und Initiativen mit Freund*innen und Anderen die kein Bock auf Neonazis in der Umgebung haben.
* Oft sind die Läden nicht als Rechtsextreme Einrichtungen zu erkennen, deshalb ist es wichtig die Anwohner*innen aufzuklären und zu informieren was die Nazis in ihrer Umgebung so treiben.
*Versucht die Vermieter*in der Räumlichkeiten zu erreichen und ihn*sie auf den Zustand der Immobilie als Nazitreff anzusprechen.
*Auch das Skandalisieren ist ein legitimes Mittel um Druck auf die Vermieter*innen aufzubauen, sucht Kontakte zur lokalen Presse.
*Schreibt offene Briefe an die Gemeinde, den Senat, den*die Bürgermeister*in oder an die Parteien, fragt nach Unterstützung und erklärt eure Forderungen! Auch der Jugendgemeinderat oder Schülermitverwaltungen sind gute Ansprechpartner*innen!
*Organisiert antifaschistische Demonstrationen, Flashmobs,  Straßentheater und und und!

Mehr gute und praktische Tips von der Erfolgreichen Kampagne “Ladenschluss” aus Bremen gibts hier.

Im Hinterkopf solltet ihr dennoch behalten, dass es nicht darum gehen soll, Nazis von einem Kiez in den nächsten zu verdrängen, denn auch wo anders sollen sich menschenverachtende Ideologien nicht einrichten können. Deshalb muss eure Kritik über ein “Nazis Raus aus meinem Kiez” hinaus gehen, denn es gibt einfach keinen Ort für Neonazis, nirgendwo.

 

Text von Martha Grau

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