Roma: diskriminiert und ausgegrenzt

Bis heute halten sich rassistische Vorurteile gegenüber Sinti und Roma hartnäckig. Die Minderheit ist die am stärksten diskriminierte Gruppe in Europa. In vielen Ländern werden Roma verfolgt, sie müssen in menschenunwürdiger Armut ihr Dasein fristen und bleiben zum Großteil gesellschaftlich ausgegrenzt. Auch in Deutschland bestehen weiter die rassistischen Vorurteile. Immer wieder findet sich die Hetzte gegen Sinti und Roma in der rechten Propaganda und nicht selten schlagen die verbalen Attaken in reale Gewalt um.

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»Jedes einzelne Schicksal dieses Völkermordes ist eine Geschichte unfassbaren Leids. Jedes einzelne Schicksal erfüllt uns, erfüllt mich mit Trauer und Scham. Jedes einzelne Schicksal mahnt uns. Denn jede Generation steht aufs Neue vor der Frage: Wie konnte es nur dazu kommen? […] Menschlichkeit – das bedeutet Anteilnahme, die Fähigkeit und die Bereitschaft, auch mit den Augen des anderen zu sehen. Sie bedeutet hinzusehen und nicht wegzusehen, wenn die Würde des Menschen verletzt wird. Davon lebt jegliche Zivilisation, Kultur und Demokratie.«

Nach langjährigem Ringen des Zentralrats deutscher Sinti und Roma um ein Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Angehörigen der Minderheit, wurde im Herbst 2012 endlich ein solcher Erinnerungsort offiziell eingeweiht. Mit vielen Worten des Mitgefühls sprach die deutsche Bundeskanzlerin bei der Einweihung von der Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma. Sie sprach von Menschlichkeit und Anteilnahme, sie betonte die Würde, die jeder Mensch hat und erklärte, dass niemand wegsehen solle, wenn diese Würde verletzt werde. Sie sprach allerdings nicht von dem fortwährenden Unrecht, der Diskriminierung und Verfolgung der Minderheit, die bis heute auch in Deutschland noch weit verbreitet ist.

Gegenwärtig sind Sinti und Roma mit 12 Millionen Angehörigen die größte ethnische Minderheit in Europa und laut der 2007 erstellten Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für Rassismus die noch immer am stärksten diskriminierte Gruppe. Auch weiterhin wird sich altbekannter Vorurteilen und Stereotypen bedient, die eine homogene Gruppe konstruieren und diese als Gefahr ausmachen. Überall in Europa ist die ethnische Minderheit im Visier von Staat und Polizei. In Schweden wurde 2013 bekannt, das die Polizei alle Angehörigen der Minderheit vom Säugling bis zum Greis nur aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit in einer Sonderkartei als Mittel zur Verbrechensbekämpfung erfasste. In Frankreich und Italien werden bis heute regelmäßig Lagerplätze von Roma abgerissen. In Ost- und Südosteuropa sind Roma ständigen gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt; zudem sind sie gezwungen, unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leben. Flüchten sie deshalb nach Westeuropa, werden sie dort als »kriminelle Bettel-Roma« oder »Armutsflüchtlinge«, die das Sozialsystem ausnutzen würden, diffamiert.

Auch in Deutschland ist Antiziganismus, wie Studien belegen, virulent und viele Angehörige der Minderheit werden wie Bürger zweiter Klasse behandelt. Dabei schüren sowohl die Politik als auch die Medien die Vorurteile gegen die Minderheit. Auch in den sozialen Medien hetzen Rechtspopulisten und Nazis offen gegen Roma und nicht selten gipfelt der Hass in gewalttätigen Übergriffen.

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