Sternchen-Schreiber*innen

Habt ihr euch schon gefragt, warum in vielen Texten auf no-nazi.net ganz oft mitten im Wort ein Stern auftaucht? Dann ist euch aber sicherlich auch aufgefallen, dass es sich dabei um Wörter handelt, von denen es eine weibliche und eine männliche Schreibweise gibt.

Was hat der Stern nun aber genau zu bedeuten? Schauen wir uns mal an, was der Stern alles so kann!

Häufig ist die Rede von Politikern, Schriftstellern, Schauspielern – aber stopp mal! Sind die wirklich alle männlich?! Nein? Na warum ist denn dann nicht auch die Rede von PolitikerINNEN, SchriftstellerINNEN oder SchauspielerINNEN?

Weil die angeblich „mitgemeint“ sind und viele behaupten, es wäre viel zu anstrengend immer von „beiden Geschlechtern“ zu schreiben. Also, ganz überzeugend klingt das für mich nicht – woher sollen andere wissen, was ich denke, wenn ich das Wort „Politiker“ lese? Und ob ich da nicht jedes Mal wieder das Bild von Männern im schwarzen Anzug aus den Nachrichten vor meinem inneren Auge habe?!

Schauen wir uns zum besseren Verständnis auch einmal dieses Beispiel an: Ein Vater und sein Sohn haben einen Autounfall. Der Vater stirbt sofort am Unfallort, der Sohn kommt in das nächstgelegene Krankenhaus und braucht sofort eine Notoperation. Er kommt also in die Notaufnahme und in den OP. Als der diensthabende Chef-Chirurg ihn allerdings sieht, sagt dieser: “Ich kann dieses Kind nicht operieren, denn es ist mein Sohn.” Huch, wie kann das denn sein?

Frauen in der Sprache sichtbar machen!

Klar: Der Chef-Chirurg ist eine Frau, also besser gesagt, eine Chef-Chirurgin und die Mutter des Kindes. Also ist es anscheinend doch nicht so klar, dass wir uns bei der „männlichen Schreibweise“ automatisch auch eine Frau vorstellen können.

Und darin liegt das Problem: Frauen werden durch dieses Sprechverhalten „unsichtbar“ gemacht. Darin spiegeln sich auch gesellschaftliche Bilder wieder. Zum Beispiel, dass Frauen über viele Jahre hinweg gegenüber „dem Mann“ als minderwertig gesehen wurden. Frauen wurden jahrelang von Bereichen wie Politik, Gesellschaft oder Bildung ausgeschlossen.

Bis heute werden Frauen vielfach schlechter für ihre Arbeit bezahlt als Männer, müssen vermehrt nach Anerkennung streben und werden in der Gesellschaft als „Frau“ gesehen. Als „Frau“ gesehen? – ja, und?!

Kleiner Exkurs: Was meint eigentlich „Geschlechterrolle“?

Mit „Frau“ ist hier weniger das biologische Geschlecht gemeint, sondern vielmehr das soziale Geschlecht. Das heißt, dass es bestimmte stereotype Vorstellungen von Frauen gibt. Zum Beispiel, dass sie das „sanftmütigere Geschlecht“, dass sie „fürsorglich“, „anmutig“ oder „sinnlich“ seien.

Es gibt viele solcher Vorurteile, die sich zwar im Einzelnen unterscheiden können, aber alle eins gemeinsam haben: Eine bestimmte Vorstellung von „Frau -Sein“. Dabei wissen wir doch selbst am besten, dass es die unterschiedlichsten Eigenschaften von Menschen in unserem Umfeld geben kann, und dass diese nichts mit dem „Geschlecht“ zu tun haben.

Aber zurück zu den Möglichkeiten, die uns die Schreibweise mit Stern bringt:

In manchen Texten wird das sogenannte Binnen-I benutzt, um zum Beispiel bei NutzerInnen darauf aufmerksam zu machen, dass es nicht nur Nutzer sondern auch weibliche NutzerINNEN gibt.

Das Sternchen allerdings will nicht nur die weibliche Form in der Sprache sichtbar machen, sondern stellt darüber hinaus die vereinfachte Vorstellung von Mann und Frau in Frage. Mit dem Sternchen kann man zumindest in der Sprache einer zwanghaften Zuordnung zu einem Geschlecht entgehen und einen kleinen Raum schaffen, in dem Geschlecht endlich mal nicht unser Denken beeinflussen kann.

Kein Student, keine Studentin, einfach: eine studierende Person

Hinzu kommt, dass es einige Menschen gibt, die nicht nur ein Problem mit den Zuschreibungen des sozialen Geschlechts haben, sondern sich selbst noch nicht einmal in die Kategorien Frau oder Mann einordnen wollen.

Transgender bedeutet zum Beispiel, dass man sich „seinem eigenen Geschlecht“ nicht zugehörig fühlt, sich aber auch nicht automatisch „dem anderen Geschlecht“ zuordnen möchte. Intersexuelle Menschen werden mit nicht „eindeutig zuordbaren“ Geschlechtsteilen geboren. Warum müssen die sich einem bestimmten Geschlecht zuordnen lassen? Auch diese Frage stellt das Sternchen mit.

Wenn wir also von „Nutzer*innen“ anstatt nur „Nutzerinnen und Nutzern“ schreiben, können:

- auch Frauen in der Sprache sichtbar gemacht werden

- die männliche und weibliche Schreibweise vereint werden und diese beiden Kategorien durch den Stern trotzdem hinterfragt werden

- sich in der Sprache Menschen wiederfinden, die sich weder als Mann noch als Frau identifizieren.

Text von P.C. Jaxson

Foto: Flickr.com/cc/MissMaze

Bei Jappy empfehlen