Neuer Bericht zu viralem Hass im Internet!

Pressebericht –  jugendschutz.net hat in Berlin den jährlichen Bericht über Rechtsextremismus online vorgestellt – Fazit: Neonazis im Social Web sind zunehmend aggressiv und perfide

“Das Internet ist keine eiapopeia-Veranstaltung”: Mit diesen humorvollen Worten beginnt Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung – bpb) seinen Vortag anlässlich der Vorstellung der neuen Studie “Rechtsextremismus online 2012″. Krüger ergänzt später noch sehr treffend, dass die Energie, welche von Geheimdiensten aufgewendet wird, um Daten auszuspähen, auch einmal genutzt werden sollte, um gegen Hass- und Hetzpropaganda im Netz vorzugehen. jugenschutz.net musste laut Krüger feststellen, dass Rechtsextreme immer mehr von den klassischen Portalen in die Sozialen Netzwerke drängen. Belegbar ist dies an dem Rückgang von rechtsextremen Websites im Vergleich zum Vorjahr und an der Tatsache, dass insgesamt ¾ aller rechtsextremer Angebote im “Social Web”, also auf Seiten wie Facebook, Youtube und Co, zu finden sind. Ferner seien neue Phänomene aufgetreten wie rechtsextreme Apps und QR-Codes, die direkt auf rechten Seite führen. Geködert werden sollen vor allem Jugendliche, die durch ein jugendaffines Angebot – vom Online-Radio bis zum TV-Programm – angesprochen werden sollen. Mit anderen Worten: Neonazis drängen massiv in die Sozialen Netzwerke, um hier ihre Hasspropaganda zu verbreiten – möglichst schnell und möglichst massenwirksam.

Stefan Glaser von jugendschutz.net rückt bei der Vorstellung der Studie die sogenannte “Identitäre Bewegung” in den Fokus. Mit Slogans wie “100% Identität, 0% Rassismus” verschleiert die Gruppe ihre rassistischen Ziele und möchte dadurch ihre Mainstream-Kompatibilität beweisen, um trotzdem im gleichen Zug den “Kampf gegen Multikulti” zu propagieren. Die in Deutschland eigentlich nur im Netz wirklich aktive Bewegung lockt mit Aktionen im Stil einer Spaßguerilla, die Flashmobs organisiert und für die Verbreitung von Aufklebern und Kreidebildern versucht zu mobilisieren. Erst auf den zweiten Blick wird die unverhohlene Islamfeindlichkeit der Bewegung deutlich. Schicke Bildchen und Videoclips verbergen die rassistischen Inhalte.

Im internationalen Kontext sei es, so Glaser, vor allem das russische Netzwerk “VK”, in dem sich mittlerweile auch deutsche Neonazis tummeln würden, da sie dort bisweilen ohne die Gefahr rechtlicher Konsequenzen ihre menschenverachtende Ideologie verbreiten können. Doch der Schuh drückt auch auf der anderen Seite der Welt. So liegen 76% der rechtsextremen Webangebote auf US-Servern. Ganze 84% der Nazi- Websites, die im Ausland eingestellt wurden, sind in den USA zu finden. Aber auch die großen Anbieter wie Facebook oder Youtube könnten noch mehr tun, um präventiv das Hochladen nazistischer Dokumente zu verhindern oder eben auch das erneute Hochladen von gesperrtem Material zu unterbinden.

Zum Abschluss der Veranstaltung bleiben vor allem die nötigen Maßnahmen im Kopf, mit denen es gelingt, schnell rechtsextreme Angebote aus dem Netz zu nehmen und so vor allem Kinder und Jugendliche zu schützen. Notwendig sei vor allem eine Kultur sozialer Verantwortung, was aufmerksame Internetuser*innen, aber auch Akteur*innen von Politik und Wirtschaft mit einschließt. Ferner ist es wünschenswert, deutlichere Nutzungsrichtlinien von den Providern zu fordern, als auch auf internationaler Ebene die Zusammenarbeit zu intensivieren, was bereits im Fall von “VK” in Kooperation mit dem INACH-Netzwerk in Russland gestartet wurde. Um jedoch kompetent den Nazis im Netz entgegen treten zu können, ist eine verstärkte politische Bildung nötig, um Communitys zu stärken und engagierte Userinnen und User zu unterstützen.

 ”Rechtsextremismus online – beobachten und nachhaltig bekämpfen” (Quelle: jugendschutz.net)

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