Rassismus: Was ist das eigentlich?

Die Aussage “Es gibt eine natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Völkern” einer Studie der Universität Bielefeld stimmte im Jahr 2008 fast jede*r dritte Bundesbürger*in zu. Diese Menschen unterscheiden Personen aufgrund ihrer Hautfarbe. Das ist rassistisch, da Menschen aufgrund ihrer Körpererscheinung auf- oder abgewertet werden. Aber nicht jede Abgrenzung ist gleich rassistisch. Im folgenden Text wollen wir uns näher mit den Erscheinungen von Rassismus beschäftigen.

Der klassische Rassismus

Obwohl Wissenschaftler*innen widerlegt haben, dass Menschen in verschiedene “Rassen” aufgeteilt werden können, lebt dieser Glaube trotzdem in einigen Köpfen weiter. Denn rassistische Erscheinungen sind nicht neu und werden seit Generationen weitergetragen. Professor Andreas Zwick von der Universität Bielefeld erklärt, dass “der historisch gewachsene und ursprüngliche Rassismus  ein extremes Vorurteil gegenüber einer Gruppe [ist] , die nach scheinbar einzigartigen, sichtbaren Merkmalen wie Rasse, Temperament oder Charakter als anders und minderwertig beurteilt wird.” Auch die Diskriminierung wegen des Geschlechts oder aufgrund einer Behinderung ist menschenverachtend.  Personen können sich rassistisch verhalten, aber auch bestimmte Gesetze können Rassismus ausdrücken.

Neue Formen des Rassismus

Der klassische Rassismus tritt heutzutage nicht mehr besonders oft auf. Aktuell finden wir eher einen “kulturalistischen Rassismus” vor. Gruppen und ihre Mitglieder werden dabei abgewertet und diskriminiert, weil diese angeblich eine Kultur oder Religion besäßen, die nicht zu der “deutschen Kultur” passen würde. Andere Gruppen werden als kriminell, nicht lernfähig oder dumm dargestellt.  Dabei wird  übersehen, dass eine “Kultur” immer von Menschen gemacht wird und nichts “Natürliches” ist. Rassismus passt nicht in unsere Gesellschaft, in der humanistische Werte und eine demokratische Erziehung gelebt werden. Deshalb tritt der “kulturalistische Rassismus”  sehr selten direkt auf. Wenn Menschen nie positive Gefühle gegenüber anderen äußern, keinen Kontakt zulassen oder anderen ständig aus dem Weg gehen, kann dies auf einen “subtilen Rassismus” hindeuten. Dieser kann sich auch hinter scheinbaren harmlosen Aussagen verstecken, die von grundsätzlichen Differenzen und unterschiedlichen Werten von Menschengruppen sprechen.

Der offene Rassismus ist fast nur noch bei Neonazis auffindbar. Trotzdem gibt es auch einen Rassismus in der “Mitte der Gesellschaft”, den wir überall antreffen können: Beim Bäcker, in der Schule oder im Sportverein. Gerade in Krisenzeiten verstärken sich rassistische Ideologien. Besonders stark wird Rassismus, wenn er sich mit anderen Elementen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit vermischt. Menschenfeindlichkeit kann sich in der Diskriminierung von Frauen (Sexismus), in Vorurteilen gegen Sinti und Roma (Antiziganismus) oder der Abwertung von Homosexuellen (Homophobie) äußern. Auch die Diskriminerung gegenüber Obdachlosen oder die Abwertung von Juden und Jüdinnen (Antisemitismus) führen zu einem stärkeren Rassismus.

Und welche Ursachen hat Rassismus?

Die Ursachen für Rassismus sind unterschiedlich. Sie können persönlich, gesellschaftlich oder historisch bedingt sein. Eins steht jedoch fest: In Ländern, in denen rassistische Ideologien in Gesetzen oder dem Wertesystem vorhanden sind, ist die Gefahr einer rassistischen Stimmung in der Gesellschaft groß. Denn rassistische Vorurteile werden von Personen weitergegeben und somit über Generationen verfestigt. Außerdem sind Gruppen, die keine demokratische Bildung genießen anfälliger für Rassismus genauso wie Menschen, die politisch konservativ orientiert sind. Auch die Einstellung, dass Menschen von Natur aus “besser” seien als andere, macht anfällig für rassistische Einstellungen. Der gesellschaftliche Fortschritt ist zudem eine Herausforderung für demokratische Werte, Gleichheit und Freiheit. Denn wachsender Leistungsdruck und immer höhere Anforderungen am Arbeitsmarkt haben Auswirkungen auf die soziale Gleichheit. Dort werden Menschen, die aufgrund gesellschaftlicher Bedingungen benachteiligt werden, ausgeschlossen. Dies drückt sich z.B darin aus, wenn Menschen wegen einer Zuwanderungsgeschichte keinen Arbeitsplatz finden.

Engagement gegen Rassismus ist wichtig!

Es ist wichtig, sich gegen diese Formen der Diskriminierung und Unterdrückung zu engagieren. Das kann schon im Kleinen anfangen, wenn wir unsere Freundin darauf aufmerksam machen, dass es sich um ein Vorurteil handelt, wenn sie sagt, dass “alle Ausländer*innen kriminell sind”. Denn in unserem Grundgesetzt ist festgelegt, dass “niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden” darf . Und: “Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.”

Text von Olga Wendtke

Der Text ist angelehnt an den Artikel “Rassismus? Ein schwieriger Begriff” von Andreas Zick, der bei Netz-gegen-Nazis erschien.  Andreas Zick ist Vorurteilsforscher und Professor am Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Hier erforscht er u.a. die Mechanismen der “Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit” (www.uni-bielefeld.de/ikg/zick). Außerdem ist er Mitglied des Stiftungsrat der Amadeu Antonio Stiftung.

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2 Kommentare

  1. Der schwule Freund des Rumpelstilzchens. sagt:

    Zitat: “Obwohl Wissenschaftler*innen widerlegt haben, dass Menschen in verschiedene “Rassen” aufgeteilt werden koennen, …”, neben der hellen oder dunkleren Hautfarbe kann man Menschen auch nach anderen Kriterien einteilen. Selbst bei der Hautfarbe koennen (Bio-)Wissenschaftler zwischen helleren und dunkleren Typen unterscheiden, ausnahmslos jeder, der sehen kann, kann durch blose Beobachtung zwischen einen helleren Menschen und einem dunkleren Menschen unterscheiden. Natuerlich kann ein dunkelhaeutiger Mensch seine Hautfarbe durch diverse Bleichmittel stark aufhellen. Die zitierte Aussage ist somit nicht korrekt. Ich moechte den Wissenschaftler sehen, der sich hinstellt und behauptet, es gaebe keine Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe, das funktioniert nicht. Leugnung ist die Endstufe des GENOZID. [Antwort zum Artikel vom 07-Dez-2012]

  2. Bernd Lauert sagt:

    Fein mit korrekten Gender-Gap, Forscher sind sich einig: Gendering ist daß schlimmste was der deutschen Sprache passieren konnte. Der Rest des Artikels ist fragwürdig, Wissenschaftler sind sich keinesfalls einig, Rasse als Begriff ist z.B. in der amerikanischen Forschung Gang und Gebe. Aber in Deutschland darf das natürlich nicht so sein. Naja ihr macht euch eben eure Welt wie sie euch gefällt.

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