Rassismus im Kinderzimmer?

Habt ihr früher auch mit Playmobil gespielt? Oder spielt ihr heute noch manchmal mit euren kleinen Geschwistern mit Playmobil-Figuren? Mit welcher Figur habt ihr euch im Spiel am liebsten identifiziert? Gab es da eine Figur, mit der ihr euch besonders wohl gefühlt habt?

Nicht alle Kinder können sich so entspannt mit ihren Playmobil-Figuren identifizieren wie andere. So gehören für den Kinderspielzeughersteller „Playmobil“ zum Beispiel Schwarze Fußballspieler anscheinend nicht nach Deutschland. Zumindest werden die „Playmobil“ -Produktreihe nicht mit Schwarzen Fußballspielern in Deutschland verkauft. In England und Schweden sieht der Konzern den Rassismus wohl ein bisschen anders. Dort sind ebenjene Produkte auf dem Markt.

Deutsch= weiß, männlich und sportlich??

Playmobil hat pünktlich zur Europameisterschaft eine Fußballspielerkollektion mit den verschiedenen Nationaltrikots der EM-Mannschaften herausgebracht. Gerade in dieser Fußballspielerkollektion fällt auf, dass die Merkmale des Landes nicht nur durch das Trikot des jeweiligen Spielers dargestellt werden sollen, sondern „landestypisch“ das besondere Aussehen der jeweiligen Länder im Aussehen des Spielers wiedergegeben werden soll.

Der deutsche Fußballspieler ist blond und weiß wo hingegen der griechische Fußballspieler schwarze Haare hat. Diese Tatsache ist nicht nur rassistisch, sondern verschiebt auch die Realität in den weltweiten Fußballstadien. Wer ist denn euer Lieblingsspieler der aktuellen EM-Mannschaft? Was ist mit Spielern wie Jerome Boateng oder Mesut Özil? Bei Playmobil spielen sie jedenfalls nicht in der deutschen Mannschaft.

Bei Playmobil dürfen nur weiße Familien europäisch sein

Doch nicht nur die Fußballerkollektion wirft Fragen auf. Auch bei der Familienkollektion unterscheiden die Hersteller*innen mit Artikelbezeichnungen zwischen Personengruppen. Mit Beschreibungen wie „Asian Familiy“, „African/African American Family, „Mediterranean/Hispanic Family“ oder „Caucasian Family“ werden die verschiedenen Familien benannt. Interessanterweise wird die so genannte „Caucasian Family“ auf der belgischen Seite von Playmobil als „europäische Familie” bezeichnet und stellt somit dar, dass eine europäische Familie per sé Weiß sein muss. Es wird mit Stereotypen gearbeitet, die rein auf rassistischen Merkmalen basieren.

Und auch hier entsteht das gleiche Problem wie bei der Fußballerkollektion. Kinder bekommen vorgelebt, dass scheinbar nur eine weiße Familie europäisch sein kann. Es fehlen bei allen vier Personen, die als Mutter, Vater und zwei Kinder wahrgenommen werden, Identifikationsmöglichkeiten für alle Kinder, die nicht in einer weißen Kleinfamilie aufwachsen. Mal abgesehen davon, dass andere Familienmodelle bei Playmobil erst recht nicht auftauchen. Wie ist denn das eigentlich bei euch? Findet ihr euch in einer dieser Playmobil-Familie wieder?

„Caucasian Family“ mit Baseballschläger

In Deutschland wird diese Kollektion anders bezeichnet, nicht jedoch besser. Der oder die Käufer*in kann zwischen „Familie Kivu“, „Familie Costa“, „Familie Wong“ und „Familie Janssen“ wählen. Dabei wird nur für die weiße Kleinfamilie ein nordisch klingender Familienname gewählt. Bei den anderen drei Personengruppen müssen Namen das Bild untermauern, dass diese „andersartig“ und „fremd“ seien. Bei einem genaueren Blick auf das Aussehen der Personengruppen fällt auf, dass die Hersteller*innen gerne mit Vorurteilen und Stereotypisierungen spielen. „Familie Wong“, die auch als „Asian Family“ bezeichnet wird, trägt einen Fotoapparat, wo hingegen „Familie Kivu“ oder auch „African/African American Family“ mit einem Basketball unterwegs ist. Die Vaterfigur der „Familie Janssen“, der „Caucasian Family“ oder der „europäischen Familie“ trägt einen Baseballschlager mit sich, wobei sich natürlich die Frage stellt, wie viele Familien in Europa Baseball spielen. Oder solidarisiert sich Playmobil hier etwa mit gewaltbereiten Familienvätern?

Artikel von Olga Wendtke & Anna Groß

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