Hingehört! Neonazis und Musik #1: NSBM & RAC

Musik hören viele Menschen sehr gerne: Egal ob in der Badewanne, auf der Party oder unterwegs. Musik verbindet, bringt Leute zusammen, löst Erinnerungen und Emotionen aus.  Gerade in Subkulturen und diversen Jugend-Szenen spielt Musik deshalb eine große Rolle. Leider auch im negativen Sinn, denn gerade Musik ist häufig der erste Zugang zur Neonazi-Szene.

Expert*innen gehen daher immer wieder auf die große Bedeutung von Rechtsrock- Konzerten und generell neonazistischer Musik ein. Rassistische und antisemitische Inhalte werden musikalisch untermalt und erreichen per Youtube- Klicks potenzielle Einsteiger*innen. Konzerte bringen Neonazis und interessierte Mitfeiernde zusammen, das gemeinsame Feiern von rassistischer Musik verbindet die Szene und vermittelt einen bestimmten rechtsextremen Lifestyle.

Deshalb nun unsere neue Reihe zu “Neonazis und Musik”, damit ihr eine Idee davon bekommt, zu welchen Klängen ihr das Kopfnicken lieber vermeidet sollte und an welcher Stelle vielleicht auch eure Freundinnen und Freunde mal ein bisschen genauer hinhören sollten, bevor sie einfach nur “die Musik” mögen.

Los geht es heute mit zwei verschiedenen Themengebieten:

Was versteckt sich hinter dem Begriff “Rock Against Communism” und wer oder was ist “National Socialist Black Metal”, das in der Black-Metal Szene vorzufinden ist.

“Rock against Communism” (“RAC”)

“RAC” bedeutet auf deutsch “Rock gegen Kommunismus” und stellt einen Sammelbegriff der neonazistischen Rockmusik -Szene dar. Geklaut wurde der Begriff von der 1978 gegründeten Veranstaltungsplattform “Rock against Racism” und als Gegenpol zu dieser gesetzt. “Rock against racism” wollte mit Demonstrationen und großen Konzerten ein deutliches Zeichen gegen die steigenden rassistischen Attacken und verbalen Äußerungen setzen, da diese  teilweise sogar von bekannten Musiker*innen geäußert wurden. So nahmen im Gründungsjahr mehr als 100.000 Menschen an einer Demonstration mit anschließendem Konzert unter dem Motto “Carnival against Nazis” teil.

Die neonazistische Variante “RAC” ist  keine eigene Musikrichtung, sondern bezeichnet eine Strategie, um mit eindeutiger rassistischer und rechter Musik Hooligans und Skinheads für die Neonazi-Szene zu begeistern. Eine große Bedeutung wird dabei der Neonazi- Skinhead-Band “Skrewdriver” zugerechnet. Die Band, die zwischen 1977 und 1993 auf der Bühne stand, genießt auch heute noch große Anerkennung bei Neonazis. Der Frontsänger der Band, Ian Stuart Donaldson, wird als wichtige Person der in Deutschland verbotenen Blood&Honour-Bewegung gesehen. Auch nach seinem Tod im Jahr 1993 wirkt der Personenkult weiter: Tattoos mit dem Konterfei von Donaldson, T-shirts oder Gürtelschnallen der Band sind häufig in der Szene anzutreffen. “Rock against Communism” steht heutzutage also vor allem für den britischen Rechts-Rock in den 80er Jahren und den Versuch, die neonazistische Rechtsrock-Szene mit sich “unpolitisch” gebenden Skinheads in Verbindung zu bringen. Habt ihr schon mal was von dieser Neonazi-Variante des Rocks gehört?

“National Socialist Black Metal”

Die Black-Metal-Szene ist sehr facettenreich und umfasst viele unterschiedliche Menschen.

Leider haben sich auch Neonazis untergemischt und wollen mit ihrer Musik rassistische und antisemitische Inhalte transportieren. Dabei verarbeiten die Musiker*innen nicht nur ihre neonazistische Gesinnung in ihre Liedtexten, sondern auch bei der Gestaltung der CDs und Bühnenperformance. “Heil-Hitler”-Rufe am Anfang eines Liedes oder eindeutige Nazi-Symboliken wie Hakenkreuze oder SS-Totenköpfe in Verbindung mit Black-Metal- Stilelementen machen diese Strömung aus. Inhaltlich stützt die Szene sich dabei auf verschiedene Elemente: Einerseits bezieht sie sich positiv auf den Nationalsozialismus und die darin enthaltene “Rassenideologie”. Das Konstrukt der “Arischen Rasse”, die eine Überlegenheit gegenüber Schwarzen, Juden und Jüdinnen sowie als krank stigmatisierten Menschen impliziert, wird mit der anti-christlichen Haltung der Black-Metal-Szene vereint. Die Vertreter*innen verwenden außerdem Teile aus dem “Germanischen Neuheidentum” und behaupten so, den Glaube der starken “Germanen” bzw. “Arier” zu verbreiten.

Das hört sich so erstmal ziemlich kompliziert an. Ist es auch. Vor allem gruselig! In Songtexten wie dem Lied “Germanien über Alles” der NSBM- Band “Absurd”, wird diese Ideologie eindrücklich präsentiert:

“Ein Volk… ein Glaube – uraltes Heidentum,
Germanien über alles – für alle Zeiten nun!

(…)

Ein (arisch) Blut fließt in unseren Adern, unverfremdet und rein,
Unsre Freundschaft, unsre Bruderschaft soll von ewger Dauer sein.”

Hier wird nicht nur der Glaube an das Germanentum sichtbar (“Germanien über alles”), sondern auch die rassistische Gesinnung, die an die Ideologie des Nationalsozialismus angelehnt ist (“Ein (arisch) Blut fließt”…).

Ein anderer wichtiger Bestandteil ist die “Blut und Boden”- Ideologie, die impliziert, das alle “Ethnien” auf der Welt einer bestimmten geographischen Lage zugeordnet werden sollen. Also, Europäer*innen sollten in Europa leben, Asiat*innen sollten in Asien leben, Afrikaner*innen in Afrika, da ihre Vorfahren und somit angeblich auch “ihr Blut” auf diesen “Boden” gehöre. Dass diese “Blut & Boden”-Ideologie höchst problematisch ist, haben wir schon mehrfach thematisiert und dass der Ursprung der Menschheit in Südafrika liegt, wonach alle Menschen auf der ganzen Welt nach dieser Ideologie in Südafrika Platz finden müssten, auch. Aber genau das zeigt, welche heftigen Themen bei dem NSBM auftauchen.

Auch wenn viele Menschen innerhalb der Black-Metal Szene ein Problem mit Neonazis haben, werfen Kritiker*innen Bands und Fans eine mangelnde Distanzierung gegenüber NSBM- Musik vor. Denn auch die “normale” Black- Metal Szene verwendet teilweise Inhalte, die provozieren sollen: Themen wie Krieg, Rassismus und Nationalsozialismus werden inflationär gebraucht und zu wenig reflektiert, so die Kritiker*innen.

Wenn ihr euch näher mit dem Thema auseinander setzen möchtet, empfehlen wir das Buch: “Rechtsrock -Bestandsaufnahme und Gegenstrategien” von Christian Dornbusch und Jan Raabe.

 

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1 Kommentar

  1. Theouphaidros sagt:

    Als erster Einstieg in das Thema gute und knappe Zusammenfassung, die aber auch einen Hinweis für eine vertiefte Beschäftigung mit dem Thema bietet. Ein kurzer Hinweis auf Motive der Musiker (und z. T. Straftäter) wäre besser als Etiketten wie “kompliziert” und “gruselig”. Letzteres wollen diese Band ja auch sein: Angst verbreiten, um Macht zu haben – dabei nichts Konstruktives…
    Fazit: 4Sterne (Obiges Rating scheint nicht zu funktionieren!)

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