Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken (4): Propaganda-Spam

Neonazis nutzen soziale Netzwerke intensiv dazu, ihre Ideologie zu verbreiten. Sie wollen ihre rechtsradikalen Gedanken als „normal“ verkaufen oder wenigstens Andersdenkenden ein ungutes Gefühl vermitteln. Ein Weg, den sie dazu nutzen: Das Zumüllen (“Spammen”) von Seiten und Foren mit neonazistischer Propaganda.

Nazi-Spam bedeutet, dass rechtsextreme Inhalte massenhaft verbreitet werden. Ziel ist das (Zer-) Stören von Diskussionen und die Behinderung der Arbeit von Engagierten. Dieser Nazi-Spam kann in unterschiedlichen Formen daherkommen:

Er kann aus sehr kurzen, rechtsextremen Kommentaren bestehen, die in massiger Form wiederholt werden und inhaltlich überhaupt nicht zum Thema passen. Dabei arbeiten Neonazis gerne auch offen mit NS-Parolen oder mit den bekannten Zahlencodes wie beispielsweise „88“, „18“ oder „28“. Die „88“ steht dabei für zweimal den achten Buchstaben des Alphabets, also „HH“. Gemeint ist damit „Heil Hitler“. Und nach demselben Prinzip funktionieren auch die anderen Zahlencodes: „18“ steht für „AH“, Adolf Hitler und die „28“ für die verbotene Neonazi-Organisation „Blood and Honour“.

Durch die massenhafte Verbreitung solcher Parolen und Codes soll die eigentliche Diskussion in einer Gruppe gestört werden: Demokratische Nutzer*innen verlieren die Lust am sachlichen Austausch und verlassen das Forum – oder sie steigen auf die Nazi-Provokation ein und wehren sich. So oder so droht das eigentliche Diskussionsthema verloren zu gehen.

Eine andere Variante des Nazi-Spam ist die Verbreitung von Texten und Videos der rechtsextremen Szene auf nicht-rechten Pinnwänden oder in Gruppen. Im Gegensatz zu der oben beschriebenen Variante steht hierbei die massenhafte Verbreitung von rechtsextremen Inhalten im Vordergrund. Diese Form des Nazi-Spams kann als krasse Variante der „Wortergreifungsstrategie“ verstanden werden. Ziel dieser Strategie ist es, in einer Diskussion die Meinungshoheit zu gewinnen, also die eigene Meinung als die höchste und beste dastehen zu haben. Durch Aufforderungen wie: „Und wie widerlegt ihr das hier?“ werden nicht-rechte User*innen dazu aufgefordert, sich Nazi-Propaganda anzusehen oder durchzulesen und dazu Stellung zu nehmen. Damit wird eine vernünftige Diskussion unmöglich gemacht.

Der Nazi-Spam zeigt, dass es Neonazis nicht wirklich um eine Diskussion, sondern vielmehr um Provokation, Einschüchterung und Störung geht.

Artikel von Joachim Wolf & P.C. Jackson

| Weitere Neonazi-Ansprache-Strategien findet ihr hier!

Dieser Text ist ein Auszug aus der Broschüre von netz-gegen-nazis.de und no-nazi.net: “Zwischen Propaganda und Mimikry – Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken”. Sie steht hier zum Download bereit. Die Printausgabe ist leider bereits vergriffen. Über das Projekt no-nazi.net bieten wir auch Workshops zum Thema “Nazis in Sozialen Netzwerken” an.

Mehr aus der Broschüre auf no-nazi.net:

| Broschüre 2012

| Rechtsextreme Archetypen in Sozialen Netzwerken

| Neonazi-Kampagnen-Themen in Sozialen Netzwerken

| Weitere Neonazi-Ansprache-Strategien findet ihr hier!

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