Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken (3): Demo-Aufrufe, Flashmobs, digitale Lichterketten

In Sozialen Netzwerken kann man super mit anderen Menschen in Kontakt kommen. Diese Möglichkeit wird auch von Neonazis benutzt:  Sie vernetzen sich aber nicht nur untereinander, sondern versuchen auch nicht-rechte User*innen oder Unentschlossene anzuwerben. Sie versuchen auf sich aufmerksam zu machen und sich möglichst aktiv zu zeigen. So wollen Neonazis User*innen von der Online- auch in die Offline-Nazi-Welt holen.

Im Sommer 2011 wollten Rechtsextreme in Berlin-Kreuzberg einen Aufmarsch veranstalten – und verabredeten sich dafür klammheimlich über die Sozialen Netzwerke. Der Plan flog allerdings auf. So konnte noch eine Gegendemonstration organisiert und der Aufmarsch dadurch verhindert werden.

Doch im Web 2.0. sind auch ganz offene Veranstaltungs-Aufrufe von Neonazis zu finden: Neonazi-Konzerte wie „Rock für Deutschland“ oder der „Tag der deutschen Zukunft“, eine jährlich stattfindende rechtsextreme Demonstration, haben eigene Seiten in Sozialen Netzwerken.

Dort verbreiten die Neonazis mit Texten und Videos ihre Propaganda, vernetzen sich und bieten einen Anlauf-Punkt für User*innen, die an der Nazi-Szene interessiert, aber noch nicht richtig „drin“ sind. Denn neben Neonazi-Postings finden sich dort auch immer wieder zustimmende Beiträge von User*innen, deren Profile  ansonsten nur sehr wenige oder teilweise keinerlei Hinweise auf eine rechtsextreme Einstellung geben.

Der Kontakt entsteht, weil eine Person ein Lied einer Band mag, die auf einem solchen Konzert spielt oder weil er oder sie sich eben ganz allgemein für „die Zukunft“ einsetzen will – vielleicht sogar ohne dabei an rassistische Inhalte zu denken. Deswegen ist es immer wichtig zweimal hinzuschauen, um Neonazis nicht in die Falle zu laufen!

Auch rechtspopulistische Parteien versuchen die Sozialen Netzwerke zu nutzen, um für ihre Veranstaltungen zu werben – allerdings eher weniger erforgreich :)  So kündigte „Pro Deutschland“ auf Facebook ihren sogenannten „Internationalen Islamisierungskongress“ in Berlin an. Das Ergebnis war eine schwache Nachfrage: Nur 32 Zusagen bekam die Veranstaltung auf Facebook im Vorfeld.

Darüber hinaus nutzen Neonazis nicht nur Demonstrationen, sondern auch andere, moderne Formen für politischen Protest. So mobilisieren Neonazis im Netz beispielsweise für „Flashmobs gegen Kindesmissbrauch“ oder starten eine „Digitale Lichterkette für null Toleranz gegenüber rassistisch motivierter Migrantengewalt“.

Dabei benutzen sie ähnliche Formulierungen andere Protestaufrufe, die sich eigentlich gegen sie richten. Im Original heißen die Proteste: „Flashmobs gegen Atomenergie“ und „Digitale Lichterkette gegen Rechtsextremismus“. Neonazis wollen auf diese Weise provozieren – und ihre rassistischen Inhalte in den Sozialen Netzwerken möglichst weit verbreiten. Wir lassen uns aber nicht von so etwas blenden! Lasst uns selbst aufmerksam sein und auf Neonazis und ihre Strategien aufmerksam machen!

| Weitere Neonazi-Ansprache-Strategien findet ihr hier!

Dieser Text ist ein Auszug aus der Broschüre von netz-gegen-nazis.de und no-nazi.net: “Zwischen Propaganda und Mimikry – Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken”. Sie steht hier zum Download bereit. Die Printausgabe ist leider bereits vergriffen. Über das Projekt no-nazi.net bieten wir auch Workshops zum Thema “Nazis in Sozialen Netzwerken” an.

Mehr aus der Broschüre auf no-nazi.net:

| Broschüre 2012

| Rechtsextreme Archetypen in Sozialen Netzwerken

| Neonazi-Kampagnen-Themen in Sozialen Netzwerken

| Weitere Neonazi-Ansprache-Strategien findet ihr hier!

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