Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken (2): (An-)Politisieren

In Sozialen Netzwerken versuchen Neonazis, mit nicht-rechten Menschen in Kontakt zu kommen. Sie benutzen verschiedene Themen, um User*innen zunächst einmal anzusprechen. Dazu versuchen sie auch unpolitische Diskussionen zu politisieren, also, so zu beeinflussen, dass sie dort ihre rechte Ideologie verbreiten können.

Im unten angezeigten Screenshot wird das Thema “Umweltschutz” benutzt, um eine völkische und rechte Ideologie zu verbreiten.


Die Nachrichten sind voll von Meldungen über die Finanzkrise, Umwälzungen in der arabischen Welt und dem Aufbegehren junger Menschen. Doch das Verständnis für die wirklichen Zusammenhänge – warum die Dinge wie passieren, warum die Finanzkrise noch immer nicht überwunden und welche Schwierigkeiten eine globalisierte Welt mit sich bringt – fehlt vielen.

Das Bedürfnis nach Antworten ist groß. Doch die Erklärungen sind oft kompliziert. Die Welt ist komplex. Wer scheinbar einfache “Lösungen” anbietet, hat daher gute Chancen, auf Zuspruch zu stoßen – auch wenn diese nicht stimmen.

Neonazis benutzen dies, um ihre rechten Vorstellungen als „Wahrheit“ zu verkaufen. Hier ein Beispiel wie das aussehen kann: In einem Sozialen Netzwerk kommt die Frage nach dem „Grundproblem der Finanzkrise“ auf. Schnell können User*innen, die nach Antworten suchen, auf YouTube Videos finden, die die Frage vermeintlich logisch erklären sollen.

Anstelle von brauchbarer Information wird jedoch eine angebliche “Wahrheit” erfunden: In den Videos werden Jüdinnen und Juden als „das Übel in der Welt“ dargestellt. Hinter diesen Videos, verbirgt sich also antisemitische (judenfeindliche) Propaganda. So etwas nennt man auch Verschwörungstheorie.

Bei Verschwörungstheorien werden Fakten verdreht oder auch erfunden. Dinge werden so zurecht gelegt, dass sie logisch erscheinen. Es soll versucht werden, eine “einfache Erklärung” für Probleme – wie beispielsweise die Finanzkrise – zu geben.

Statt dessen wird jedoch fantasiert und Hetze gegen bestimmte Menschen oder Menschengruppen betrieben.  Das wird leider oft erst auf den zweiten oder dritten Blick klar. Gerade Videos, bei denen man glaubt „echte Bilder“ sehen zu können, wirken schnell glaubwürdig. Klar ist jedoch, dass es sich bei solchen Videos um rechtsextreme Manipulation handelt – User*innen sollen also negativ beeinflusst werden.

Zahlreiche rechtsextreme Kampagnen zeigen, wie Neonazis auf unterschiedlich Wege versuchen, ihre rechtsradikale Ideologie zu vebreiten. Häufig wird zum Beispiel das Thema Kindesmissbrauch benutzt, um die rechtsextreme Szene als einzige entschiedene und engagierte Menschen erscheinen zu lassen (siehe „Kampagnen zu sexuellem Kindesmissbrauch“).

Das stimmt natürlich nicht! Die Grundgedanken von Neonazis sind menschenverachtend. Und das muss immer beachtet werden, bei allem was Neonazis tun und behaupten!

| Weitere Neonazi-Ansprache-Strategien findet ihr hier!

Dieser Text ist ein Auszug aus der Broschüre von netz-gegen-nazis.de und no-nazi.net: “Zwischen Propaganda und Mimikry – Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken”. Sie steht hier zum Download bereit. Die Printausgabe ist leider bereits vergriffen. Über das Projekt no-nazi.net bieten wir auch Workshops zum Thema “Nazis in Sozialen Netzwerken” an.

Mehr aus der Broschüre auf no-nazi.net:

| Broschüre 2012

| Rechtsextreme Archetypen in Sozialen Netzwerken

| Neonazi-Kampagnen-Themen in Sozialen Netzwerken

| Weitere Neonazi-Ansprache-Strategien findet ihr hier!

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