Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken (1): Bürgerlichkeit

Der aktuelle Pressesprecher der NPD, Frank Franz (Screenshot facebook).

Wenn Nazis unter sich kommunizieren, wetteifern sie um die krassesten Bilder und Einträge. Das ist meist zutiefst gruselig!

In Sozialen Netzwerken wie facebook, studiVZ oder google+ versuchen sie allerdings auch, mit nicht-rechten Menschen in Kontakt zu kommen, um sie von ihren Menschenfeindlichkeiten zu überzeugen. Um damit mehr Erfolg zu haben, geben sie sich häufig wie der nette “Bürger” von nebenan. Dass hinter der “netten” Fassade verachtende Einstellungen und rassistische Haltungen verborgen sind, erkennt man oft erst beim näheren Hinsehen.

Bürgerlichkeit als Planspiel
Das Ganze hat System und ist geplant. Schon 2010 rief die NPD in ihrer Partei-eigenen Zeitung “Deutsche Stimme” ihre Mitglieder auf, in die Sozialen Netzwerke zu gehen. Dort sollten sie allerdings mit ihrer politischen Haltung eher versteckt umgehen, sich bürgerlich und freundlich geben, viel Humor zeigen und offen für andere da sein – und im Idealfall die NPD-Mitgliedschaft nur verdeckt oder gar nicht angeben.

Die NPD wollte so nicht-rechten Nutzer*innen Berührungspunkte aufzeigen und Sympathien wecken. Denn der NPD geht es im Web 2.0 darum, neue Leute anzusprechen und anzuwerben. Erst menscheln Rechtsextreme, um dann für die eigene menschenverachtende Ideologie einzunehmen.

Frank Franz
Entsprechend wird diese Strategie vor allem persönlich von Parteivertreter*innen der NPD betrieben. Frank Franz, mittlerweile Pressesprecher der NPD, kann durch die Umsetzung dieses Konzepts im Dezember 2011 2750 Fans seiner Seite auf Facebook verzeichnen. Zum Vergleich: Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat zeitgleich auf Facebook knapp 5600 Fans. Übrigens hat Franz noch ein zweites, szeneinternes Profil, über dass er weniger diplomatisch agiert und noch einmal tausende Menschen erreicht. Dort lässt sich beobachten, wie der “Wolf im Schafspelz” handelt, wenn er sich nicht verstecken will. Auf seinem offiziellen Profil lässt Frank Franz seine Fans über die Wahl seines neuen Profilfotos abstimmen und veröffentlicht Fotos, die ihn bürgernah auf Volksfesten zeigen. Er gibt sich als Anti-Politiker, der gegen „die da oben“ wettert, und gratuliert „allen deutschen Müttern“ zum Muttertag. Das oben gezeigte Bild ist ein Screenshot seines Titelbildes bei facebook.

Nette Mutti? NPD-Aktivistin Stella Hähnel gibt sich auf den ersten Blick unpolitisch.

Holger Apfel
Der NPD-Bundesvorsitzender Holger Apfel (5.000 „Freunde“ und 3.600 „Fans“ auf Facebook im November 2011) postet in Sozialen Netzwerken gern Fotos, die ihn mit seiner pausbäckigen blonden Frau und den drei kleinen Kindern zeigen – ein harmloser Familienvater, der hauptberuflich Rassismus, Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit in Deutschland verbreitet und anstachelt. Neben „Roland Kaiser“ und den „Scorpions“ hört er gern „MANOWAR“ und präsentiert sich als Mann von nebenan.

Ablenken von Gewalttaten und Menschenfeindlichkeit
Die Strategie ist nicht nur im Netz erfolgreich, sie verhalf der NPD auch in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu ihren wiederholten Wahlerfolgen und Landtags-Einzügen. Die Nazis präsentieren sich als bürgernah und ansprechbar. Der Bezug zu Gewalttaten und Volksverhetzung soll so verschleiert werden – und von den vielen Verurteilungen, die NPD-Funktionär/innen immer wieder kassieren, ablenken.

Genau hinsehen, wer auf der Pinnwand rassistische Kommentare hinterlässt!
Das Netz fungiert als Experimentierfeld der Rechtsextremen. Hier können die NPD-Funktionär/innen mit Menschen in Kontakt kommen kann, die niemals freiwillig einen NPD-Stand aus nächster Nähe begutachten würden. Außerdem lassen sich Ideen und Strategien testen – innerhalb der eigenen Szene und außerhalb. Denn oft dürften solche harmlos daherkommenden Nazis eine ganze Weile in nicht-rechten Gruppen mitdiskutieren bis die Administrator/innen merken, wer dort auf ihrer Pinnwand sein Gift versprüht.

Dieser Text ist ein Auszug aus der Broschüre von netz-gegen-nazis.de und no-nazi.net: “Zwischen Propaganda und Mimikry – Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken“. Sie steht hier zum Download bereit. Die Printausgabe ist leider bereits vergriffen. Über das Projekt no-nazi.net bieten wir auch Workshops zum Thema “Nazis in Sozialen Netzwerken” an.

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