Neonazi-Kampagnen in Sozialen Netzwerken (4): Sexualisierte Gewalt an Kindern

Wenn Kinder Opfer von sexualisierter Gewalt werden, ist es notwendig, darauf aufmerksam zu machen. Auch im Internet. Es ist wichtig, Kindern einen Schutz zu geben und es muss ein Umgang mit den Täter*innen gefunden werden. Neonazis missbrauchen das Thema “Kindesmissbrauch” aber für ihre eigenen Zwecke und wollen nicht-rechte User*innen damit ansprechen. Dabei geht es ihnen NICHT um den Schutz von Kindern (Weitere Informationen findet ihr auch in unserem Text vom 16.5.2012).

Auf Facebook gibt es die Gruppe „Planung von Demos / Flashmobs gegen Kindesmissbrauch“. Unter den Unterstützer*innen dieser Gruppe: Ein junger Mann, der sich mit seiner Freundin abbildet und eine junge Frau, die sich mit ihrem kleinen Kind zeigt. Auf den ersten Blick wirkt es als eine harmlose, vielleicht sogar unterstützenswerte Seite. Doch zu den Administrator*innen der Gruppe gehören im Juli 2011 unter anderem der NPD-Politiker Rene Despang und Mia Herm, die als rechtspopulistische Rapperin „Dee Ex“ bekannt ist. Ein Mitglied der Gruppe nennt sich „Deutsche Rache“. Unter den 810 Mitgliedern der Gruppe sind aber auch viele Nutzer*innen, die in ihrem Profil keinerlei Hinweise auf eine rechtsextreme Einstellung vorweisen.

Andere Gruppen haben deutlichere Namen: „Todesstrafe für Kinderschänder“ oder „Stoppt Tierversuche, nehmt Kinderschänder“. Diese Gruppen haben weniger Mitglieder als die verdeckten Kampagnenseiten der Neonazis.

Die meiste Zustimmung bekam 2011 die Online-„Veranstaltung“ bei Facebook mit dem Titel „Kinder sind Zukunft- stoppt Missbrauch an Kindern“. Erstellt wurde diese „Veranstaltung“ von den Macher*innen der Seite „Keine Gnade für Kinderschänder“ – die bisher erfolgreichste rechtsradikale Kampagne in der Online-Welt. Auf der Pinnwand distanzierten sich die Macher*innen zunächst von der rechtsextremen NPD. Wenig später posteten sie allerdings Artikel der rechtsextremen Seite „Deutschland Echo“. Dazu kamen Songs zum Thema von rechtsextremen Musiker*innen wie Anett Müller oder Sleipnir. Im nächsten Schritt zeigten sich die Macher*innen als große Fans der NPD-Funktionäre Holger Apfel und Franz Frank. Hier konnte man gut sehen, wie die Strategie der Nazis funktionieren kann: Erst nach und nach wurden ihre rechtsextremen Inhalte deutlich.

Die Seite „Keine Gnade für Kinderschänder“ wurde von vielen demokratischer Nutzer*innen bei facebook gemeldet und es wurde über ihren eigentlichen Hintergrund informiert. Im November 2011 wurde die Seite endlich von Facebook gelöscht. Doch leider gibt es schon wieder eine neue, noch unterschwelligere Seite auf facebook, deren Gründer*innen wieder in der rechtsextremen Szene zu finden sind.

Nun heißt sie verdeckt “Deutschland gegen Kindesmissbrauch”, vermutlich um wieder nicht gleich im Titel auf den Nazi-Ursprung hinzuweisen.

Deshalb bleibt es wichtig,  genau hinzusehen, wenn es um Seiten gegen sexualisierte Gewalt an Kindern geht! Meldet solche Seiten und klärt Freundinnen und Freunde darüber auf. Setzt klare Zeichen gegen Nazis und Rechtsextremismus!

Autor*innen: Joachim Wolf, Anna Groß

Mehr im Internet:

| Warum engagieren sich Nazis so gern gegen sexuellen Kindesmissbrauch? (no-nazi.net)

| Warum engagieren sich Neonazis gegen “Kinderschänder”? (netz-gegen-nazis.de)

| Was Sie über sexuellen Missbrauch wissen sollten (pdf, Amadeu Antonio Stiftung)

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