Nazis gegen Krieg??

Vor sieben Jahren meldeten die Nazis in Dortmund ihre erste Demonstration “gegen Krieg” an und durften in den vergangenen Jahren diese Demonstration jährlich wiederholen. Dieses Jahr wurden ihre Demonstration und das dazugehörige Konzert endlich bereits im Vorfeld verboten. Doch wieso tun die Neonazis überhaupt so als ob sie was gegen Krieg hätten?

Hintergrund des Antikriegstages

Bereits seit 1957 gilt der 1. September als Antikriegstag in der Bundesrepublik Deutschland. Antimilitarische Gruppen – also Gruppen, die gegen Militär und Kriegseinsatz protestieren-, Gewerkschaften und andere Initiativen, verwenden dieses Datum als mahnende Erinnerung an den Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939. Der 1. September wurde historisch als Beginn des 2. Weltkrieges festgelegt.

Nazis missbrauchen dieses geschichtsträchtige Datum seit Jahren für ihre rassistischen Zwecke. Seit 2004 melden sie in Dortmund immer wieder Großveranstaltungen an und ziehen mit Slogans wie „Nie wieder Krieg!“ durch die Straßen Dortmunds. Wichtig für das Verständnis ihrer Interpretation von “Anti-Krieg” ist hier jedoch der Satz, den sie anschließend noch anfügen: „Nach unserem Sieg!“. Denn mit „ihrem Sieg“ meinen sie den Sieg des „Nationalen Sozialismus“ und deuten damit an, die Demokratie abzuschaffen und wieder einen Führerstaat errichten zu wollen.

Was die Nazis unter “Antikrieg” verstehen

Hinter den Antikriegsforderungen steckt eine gruselige Mischung aus Nationalismus, Antisemitismus und Geschichtsverdrehung der Autonomen Nationalist*innen. Beispielsweise behaupten sie bei ihren sogenannten „Antikriegsaktionen“, dass der Angriff auf Polen nicht der Auslöser des 2. Weltkrieges gewesen sei. Zudem sind ihre Antikriegsreden eindeutig antisemitisch und antiamerikanisch, sprechen sie doch von der USA als „Kriegstreiber“ die von „jüdischen Finanzinteressen“ gesteuert sei. In der verdrehten Ideologie der Neonazis sei Amerika demnach Schuld am Krieg, wobei es von einer „geldhungrigen international agierenden und auserwählten Minderheit“  gelenkt wird. Diese Aussagen zeigen deutlich ihre eindeutig antisemitische Propaganda. Zudem behaupten sie einer „hysterisch betriebenen Schuldkultur“ in Deutschland entgegentreten zu wollen. Das bedeutet, dass sie weder die Grausamkeiten noch die Kriegsverbrechen des nationalsozialistischen Regimes anerkennen, sie sogar verschweigen und stattdessen das “deutsche Volk” als Opfer des 2. Weltkriegs darstellen.

So heißt es in ihrem seltsamen Aufruf zum “6. Nationalen Antikriegstag” im Jahr 2010: “Es herrscht Krieg. Ein Krieg gegen alle Völker, an jedem Tag, auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Diese erschütternde Feststellung ist die Grunderkenntnis, die uns junge deutsche Nationalisten bewegt und unser Handeln rechtfertigt.” Mit ihrem Handeln meinen sie bundesweite Aktionen autonomer Nationalist*innen. Wer sich wundert, dass sie sich plötzlich für „alle Völker“ einsetzen wollen, sei jedoch gewarnt: Dieses Konzept ist eine moderne und abgeänderte Version des rassistischen Slogans: „Ausländer raus!“. Denn die so genannten „Völker“ sollen – so hätten es die Nazis gern – zwar in ihrem „Lebensraum“ glücklich werden. Diesen verlassen und in andere Länder reisen oder umziehen dürfen sie im Sinne der Nazis aber auf gar keinen Fall!

Fazit

Es wird ziemlich schnell deutlich, dass sie mit ihren Demonstrationen und Aktionen keinesfalls friedliche Ziele verfolgen. Ihr Handeln und Argumentieren dient lediglich der Verbreitung ihrer menschenverachtenden und ausgrenzenden Ideologie. Ähnlich wie andere eigentlich positiv besetzte Begriffe wie „Umweltschutz“, verwenden sie den „Antikriegstag“ ausschließlich dafür, ihren eigenen Krieg weiter führen zu wollen.

Glücklicherweise dürfen die Nazis in diesem Jahr nicht in Dortmund am 1. September marschieren. Grundlage des Verbotes ist vor allem das Vereinsverbot der rechten Kameradschaft „NW Dortmund“ letzte Woche, die die Demonstrationen angemeldet hat. (Über das Verbot der drei Kameradschaften in Nordrhein-Westfalen werden wir hier am Montag mehr berichten.). Doch obwohl die Demo und das Rockkonzert verboten sind, könnte das Verbot noch kurzfristig gekippt werden.

Die Protestaktionen gegen den so genannten “nationalen Antikriegstag” der Nazis finden auf jeden Fall statt. Deshalb kommt nach Dortmund und zeigt auch ihr, dass auch Dortmund KEIN ORT FÜR NEONAZIS ist. Für die Gegenaktionen informiert Euch am besten unter www.dortmundquer.blogsport.de!

 Text von Judith Tuchscherer

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