Neonazi-Archetypen in Sozialen Netzwerken (7):

Rechtsextreme Mädchen

Welche Arten von Nazis sind in den sozialen Netzwerken aktiv? Heute gucken wir uns an, wie sich rechtsextreme Mädchen und Frauen in den sozialen Netzwerken in Szene setzen.

Rechtsextreme Mädchen und Frauen teilen mit rechtsextremen Männern die Ideologie, hören die gleiche Nazi-Musik, engagieren sich für die gleichen Parteien und Organisationen – aber es gibt auch Besonderheiten beim virtuellen Auftritt rechtsextremer Frauen, die zeigen, wie Nazi-Frauen sich selbst sehen und sehen wollen.

Nazi-Männer nennen sich, wenn sie einen Nickname verwenden, fast ausschließlich kämpferisch-aggressive Namen. Bei Nazi-Mädchen gibt es zwei verschiedene Stilrichtungen. Die einen versuchen, sich besonders martialische Namen zu geben, um das typische Weiblichkeits-Bild zu durchbrechen: Sie nennen sich „Krawall Mietze“, „Zahnfee88 mal wieder“, „Froilein TerrorZicke“, „Berliner Weisse mit Schuss“. Die anderen nehmen das klischeehafte Frauenbild auf, dass die rechtsextreme Szene besonders pflegt – und spiegeln auch, dass Nazi-Frauen von ihren “Kameraden” sexistisch abgewertet werden, indem sie sich selbst herabsetzend bezeichnen:  „88schnitte“, „Sleipweib“,„Gehmabierholn91“ oder „Gestiefeltes Mäuschen“.

Die Profile rechtsextremer Frauen in sozialen Netzwerken sind oft sehr unauffällig und auf den ersten Blick politisch wenig einschätzbar – erst der Blick in die Freund/innenliste oder die Lieblingsgruppen offenbart, dass die mit Klarnamen und alterstypischen Vorlieben auftretenden Frauen eine rechtsextreme Gesinnung leben. Entsprechend dürfen sie oft wesentlich länger in nicht-rechten Gruppen mitdiskutieren als etwas rechtsextreme Männer, die sich und ihr Profil mit NS-Verherrlichung und Nazi-Symbolen “schmücken”. Nach wie vor wird Frauen ein aggressiv-kämpferischer Rechtsextremismus wenig zugetraut – entsprechend groß sind die Hemmungen, ein Mädchen oder eine „nette Omi“ zu löschen, die auf den ersten Blick nicht einmal rechtsextrem erscheinen, obwohl sie übelste rassistische Hetze von sich geben. Das hat die rechtsextreme Szene klar erkannt und nutzt dies auch bewusst, um ihre Ideologie zu verbreiten.

In der Nazi-Szene selbst werden traditionelle Geschlechterrollen bevorzugt. Dies wird auch in Sozialen Netzwerken deutlich, denn rechtsextreme Frauen präsentieren meist Mutterschaft, Familie und Kinder als für sie besonders wichtig. Viele Nazi-Frauen bilden sich mit ihren Kindern in den Sozialen Netzwerken ab. Dies ist sowohl ein Teil der „Verharmlosungsstrategie“ als auch stolzer Ausdruck des eigenen und in der Szene erwünschten Bildes als „Hüterin und Bewahrerin des Volkes“. Entsprechend engagiert sind rechtsextreme Frauen in allen rechtsextremen und nicht-rechten Gruppen, die sich mit dem Thema Kindesmissbrauch auseinandersetzen – wo sie sich besonders grausame und die Menschenwürde verletzende Maßnahmen gegen die Täter ausmalen. (sr)

Mein Profil-Name: Leni Sonnenrad, Nessa Odin, Anita Behaltifürmi, Eiserne Wölfin, Fräulein Krawallarrogant
Typische Begriffe und Slogans auf meinem Profil: „Todesstrafe für Kinderschänder“, „Härtere Strafen für Frauenvergewaltiger“, „Keine Burka! Keine Sharia! Keine Minarette!“, „Nationalismus ist auch Mädelsache“, „Gegen Gender-Mainstreaming“, „Opa war in Ordnung“, RNF (=“Ring Nationaler Frauen“), GDF (=“Gesellschaft Deutscher Frauen“)
Auf meinem Profilbild: Ich selbst mit wenig Kleidung an, damit man meine Tattoos sieht; gemeinsam mit meinem Freund oder mit meinem Kind; vermummt /unkenntlich gemacht (wenig preisgebend)
Meine Lieblingsbilder: Motive gegen „Kinderschänder“ oder „Sexualstraftäter“, wahlweise mit anrührenden Kinderbildern oder Galgen für die Täter; Fotos meiner Kinder oder Tattoos; Germanisch-Mythisches wie Sonnenräder, Keltenkreuze
Meine Lieblingsmusik: Annett MüllerSleipnir / Raven, Dee Ex

* Die Beschreibung ist beispielhaft und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! *

| Weitere Archetypen findet ihr hier!

Dieser Text ist ein bearbeiteter Auszug aus der neuen Broschüre von www.netz-gegen-nazis.de und no-nazi.net: “Zwischen Propaganda und Mimikry - Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken“. Sie steht hier zum Download bereit und kann – solange der Vorrat reicht – per Mail bestellt werden unter: netz@amadeu-antonio-stiftung.de. Versand gegen Portokosten. Über das Projekt no-nazi.net bieten wir auch Workshops zum Thema “Nazis in Sozialen Netzwerken” an.

 

Mehr auf no-nazi.net: 

Sandys Weg in die rechtsextreme Szene der sozialen Netzwerke

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