Gute Aktion: “Jung gegen rechts” verbindet Fußball und Aufklärungsarbeit

“Wer einmal Auschwitz besucht hat, ist ein anderer Mensch”: Unter diesem Titel haben Max-Fabian Wolff-Jürgens (17) und Jamal Gharez (15) von der Initiative “Jung gegen Rechts” einen Bericht über ihre Reise nach Polen während der Fußball-EM 2012 verfasst. Sie wollten dabei ihre Fußballbegeisterung ausleben, aber sich auch mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen. Dadurch sollte gezeigt werden, dass man beide Vorhaben miteinander verknüpfen kann. Die Initiative will durch ihre Aktionen andere, vor allem Jugendliche, dazu ermutigen, Position gegen rechtsextreme und rassistische Tendenzen zu beziehen.

Vier Fragen an Max–Fabian Wolff Jürgens, einer der Initiatoren des Projektes.

Warum habt Ihr dieses Projekt ins Leben gerufen?

Wir gehen zusammen aufs Gymnasium in Kyritz und sind in derselben Klasse. Das Projekt haben wir gestartet, weil es uns wichtig war, Position gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu beziehen und uns dagegen zu engagieren. Die Motivation kommt vor allem daher, dass sich heutzutage immer mehr Jugendliche nicht mehr mit der Vergangenheit und der Bedrohung von Rechts auseinander setzen.

Gibt es auch persönliche Erfahrungen, die Euch dazu bewegt haben, dass Ihr “Jung gegen Rechts” ins Leben gerufen habt?

Ich persönlich habe noch keine wirklich schlimmen Erfahrungen mit Rechtsextremen gehabt. Allerdings habe ich schon miterlebt, dass mal auf der Schule der rechte Arm gehoben oder irgendeine Nazi-Parole gerufen wurde. Einige Personen machen das sicher auch aus Spaß, aber gerade da wollen wir ansetzen und zeigen, dass das kein Spaß ist und nicht toleriert werden darf. Jamal hat vor ein paar Jahren tatsächlich mal Schlimmeres erlebt. Er wurde mit einem Freund zusammen von Neonazis umzingelt, dem Freund wurde dann mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen. Das war für ihn auch ein Beweggrund, dieses Projekt auf die Beine zu stellen.

Was für Aktionen habt ihr bisher gemacht? 

Eine große Aktion war die Reise während der Fußball-Europameisterschaft, mit der wir zeigen wollen, dass man die Beschäftigung mit der Geschichte durchaus auch mit Spaß und Fußballbegeisterung verbinden kann. Wir haben dabei das ehemalige Konzentrationslager in Auschwitz besucht und waren in Krakau und Warschau und haben auch dort Gedenkstätten besucht. Gleichzeitig waren wir auch bei dem Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien und haben dadurch deutlich gemacht, dass antirassistisches Engagement und historisches Bewusstsein dem Spaß am Fußball auf keinen Fall im Wege stehen. Über die Reise wird es jetzt auch einen Dokumentationsfilm geben, er zurzeit noch in Arbeit ist und an Schulen gezeigt werden soll. Zudem sind wir auch auf einigen Demonstrationen gewesen. In Neuruppin haben wir beispielweise gegen einen Neonaziaufmarsch demonstriert, genauso wie am 2. Juni, als wir uns an der Demonstration in Hamburg beteiligt haben.

Ihr beschäftigt euch sehr intensiv mit Fußball. Auf eurer Website findet man Fotos von antirassistischen Fußballturnieren, an denen ihr euch beteiligt habt. Warum steht Fußball bei Euch so sehr im Mittelpunkt?

Einerseits ist es großes persönliches Interesse, andereseits sind wir aber auch der Meinung, dass der Fußball so beliebt ist und eine so große Rolle in Deutschland spielt, dass der Sport ein sehr guter Träger für dieses Projekt und für Toleranz ist. Ich finde, dass Fußball das auch sehr gut macht bisher – die Bundesliga ist sehr international und im Vergleich zu anderen europäischen Topligen findet sich wenig Diskriminierung. Gegen die Fans, die den Fußball als Plattform nutzen, um ihre fremdenfeindlichen und rechtsextremen Gedanken zu propagieren, versuchen wir anzugehen und andere Fans zu ermutigen, das auch zu tun.

Fragen: Tenzin Sekhon

Mehr im Internet:

www.jung-gegen-rechts.de

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1 Kommentar

  1. Maurus F. sagt:

    Dass Ihr Euch mit diesem Projekt gegen die Gefährdung von “rechts” einsetzt, macht mir Hoffnung, dass die verführten und verzweifelten Neonazis und Rechtsextremen nicht so mächtig werden, dass sie eine größere Gefahr werden. Die Politik kommunal, landesweit, bundesweit und europaweit muss mehr gegen die Perspektivlosigkeit Jugendlicher und junger Erwachsener tuen, damit sich die Ohnmacht und Wut der jungen Menschen nicht in “rechte Kanäle” lenken läßt. Es muss unbedingt mehr für sozial benachteiligte Familien und deren Kinder getan werden, damit ausgebrannte, enttäuschte, materiell alleingelassene verzweifelte Eltern nicht Ihre Ohnmacht, Wut und Verzweiflung an ihren Kindern auslassen und ihnen damit weitergeben. Das ist aus meiner Sicht der wichtigste Schritt, um rechtem Gedankengut den Boden zu entziehen! Viel Glück für Euch und Eure Arbeit !!!!!!

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