Was ist “Grauzone” und was hat die Band “Jennifer Rostock” damit zu tun?

Vor gut einer Woche postete die Band Jennifer Rostock einen Kommentar auf Facebook, der eine ziemlich große Debatte im Netz auslöste. Nach ihrem Konzert am 28. Januar in Hamburg  gab die Band bekannt, dass sie zukünftig keine Shirts von den “Böhsen Onkelz” oder “FreiWild” auf ihren Konzerten sehen möchte. Auf dieses Statement folgte ein Shitstorm mit fast 6.ooo Kommentaren und 8.000 Likes. Der Duden definiert einen Shitstorm als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“.

 

 

 

 

 

 

Was ist eigentlich  “Grauzone”?

Jennifer Rostock und viele andere Musiker*innen und Menschen, die sich mit Neonazis auseinandersetzen, beschreiben die Musik von “FreiWild” oder “Böhse Onkelz” als Grauzone. Mit diesem Begriff werden Bands bezeichnet, deren Texte  fragwürdige Inhalte transportieren, die aber nicht eindeutig der neonazistischen Musikszene zugeordnet werden können. Zum Beispiel versucht FreiWild in dem Song “Südtirol”  einen “harmlosen” Patriotismus zu verkaufen. Diese Form der Heimatliebe findet sich jedoch auch so bei Neonazis wieder:

“Ja unser Heimatland, es ist so wunderschön, das kann man auch an unsren Bergen sehn, sie ragen stolz zum Himmel hinauf, schon unsere Ahnen waren mächtig stolz darauf (…) Kurz gesagt, ich dulde keine Kritik an diesem heiligen Land, das unsre Heimat ist, darum holt tief Luft und schreit es hinaus, Heimatland wir geben dich niemals auf.”

“FreiWild” bezeichnet sich selbst als “unpolitisch”, auch wenn ihre Texte, wie oben zu lesen, nationalistisch sind. Denn wenn jemand keine Kritik an seinem Heimatland  zulässt und seine Herkunft über alles andere stellt, kann das nicht mehr als “harmloser” Patriotismus bezeichnet werden. Rechtsextreme erfreuen sich  daran, wenn durch diese Lieder Themen wie Liebe zur Heimat, Verherrlichung der Nation und des Vaterlands in den Charts auftauchen und dadurch salonfähig gemacht werden.

Neonazistische Vergangenheit

Die “Böhsen Onkelz”, die als bekannteste und erfolgreichts Grauzonen- Band gelten, waren in den 80er Jahren noch als Rechtsrock Band erfolgreich. Obwohl sie sich verbal von der Neonazi- Szene distanzierten, wurden sie immer wieder für ihre nationalistischen Texte kritisiert. Auch der Sänger der Band “FreiWild” spielte früher in der Rechtsrock- Band “Kaiserjäger”, die aufgelöst wurde. Diese rechtsextreme Vergangenheit, die bei Grauzonen- Bands nicht selten vorzufinden ist, sollte eigentlich eine starke und deutliche Distanzierung der Bands von der Neonaziszene notwendig machen, sofern auch eine inhaltliche Veränderung stattfand.  Musiker*innen, die früher in der rechtsextremen Szene rumgesprungen sind und  heute noch immer nationalistische Inhalte verbreiten, sind gefährlich. Denn das “unpoltische” Image verschleiert die Gefahr, die durch diese Texte ausgelöst wird. Wenn Bands wie “FreiWild” auf Festivals neben “Deichkind” oder den “Beatsteaks” auftreten, werden sie als “normale” Band wahrgenommen. Und das sollten Bands, die Lieder mit nationalistischen Texten haben, eigentlich nicht sein.

Sehr lesenswerte Texte sind auf der Seiten von Publikative.org und Netz-gegen-Nazis zu diesem Thema erschienen. Ihr könnt  sie hier, hier oder hier lesen.

 

 

 

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