frag nnn: Was sagt ihr zu ”Horst & Monika” von den Orsons feat. Cro?

Die Orsons feat. Cro haben einen neuen Ohrwurm geschrieben und dazu ein gezeichnetes Video produziert: “Horst & Monika”. Damit nehmen sie in diesem Jahr beim “Bundesvision Song Contest” teil. Es ist ein Anti-Nazi-Song. Trotzdem beschleicht uns beim Hören und Gucken ein leicht unangenehmes Gefühl. Wieso eigentlich?

“Horst & Monika”

Der Song “Horst & Monika” löst verschiedene Reaktionen aus. Bei allen, die die Hintergründe der erzählten Geschichte nicht kennen, Verwunderung. Bei denen, die wissen, dass der Song auf einer wahren Geschichte basiert, Fragen. Wir würden uns gern über solche Beiträge beim Bundesvision Song Contest freuen, der ansonsten dieses Jahr wieder sehr unpolitisch vor allen Dingen mit Liebesliedern und Herzschmerz-Songs ausgestattet wird. Doch ein fader Beigeschmack bleibt.

Hier ist unsere Analyse:

Die Geschichte des Songs ist die von Horst Strube. Der war als Mann tatsächlich in der NPD und als Nazi bekannt, bevor er merkte, dass er im falschen Körper lebt und beschloss, fortan als Frau zu leben – mit dem Namen Monika.  Monika Strube trat nach der Geschlechtsumwanldung in die Links-Partei ein. Das klingt zwar insgesamt ziemlich unglaublich, ist aber tatsächlich wahr. Der Hook des Refrains “Alles ist möglich, wenn du willst” ist demnach eine sehr schöne Interpretation dieser Story. Ein Motto, mit dem man sich gern durch das Leben begibt. Hut ab für diese Line! Das Augenmerk darauf zu lenken, dass man auch aus rechtsextremen Zusammenhängen wieder herauskommen und in eine tolerante Vielfalt eintauchen kann, ist wichtig und zu unterstützen!

Doch wieso ist im Songtext das Gegenteil von “Mann” beschrieben mit “unten ohne”? Diese Darstellung von weiblicher Sexualität ist leider in vielen Songs der oben genannten Rapper zu finden. Das Gegenteil von Männlichkeit ist also…nichts? Wenn man den Textzeilen von Cro im Song folgt, bleibt gähnende Leere nach der Entfernung des männliches Glieds: “Von unten ohne zur Toleranz-Ikone”.

Andererseits haben Männer laut den Orsons angeblich nichts anderes zu tun, als sich ständig in der Hose das gute Stück zu reiben (“Taschenbillard, immer das Gleiche”). Auch in anderen Songs der Orsons wird die Sexualität der Frau lächerlich gemacht. So wird im Song “Sexuell belästigt” das Thema der sexuellen Übergriffigkeit und Belästigung legitimiert und das Aufzeigen von nicht gewollten Berührungen ins Lächerliche gezogen. Den Orsons scheint der Eindruck entstanden zu sein: Wenn eine Frau nicht berührt werden möchte, hat sie eben den Mann total falsch verstanden – und das gäbe dem Mann das Recht zur sexuellen Belästigung. Was für ein mittelalterliches Frauenbild! In solchem Sexismus treffen sich die Orsons mit Cro. Denn auch Cro hat es mit seinem eingängigen Song “Easy” geschafft, ganz oben in den Charts mitsingen zu können, wie man Frauen am besten hängen lässt, nachdem man sie geschwängert hat und sie dann auch noch als anstrengend bezeichnet, wenn sie die Rückkehr fordern.

Angesichts solcher Frauenbilder stellt sich auch bei “Horst & Monika” die Frage, wie hier eigentlich transsexuelle Menschen dargestellt werden und wie die Rolle von Männer und Frauen im Gesellschaftsbild dieser Rapper zu verstehen ist: Denn der hübsche Refrain “Alles ist möglich, wenn du nur willst” kann nicht verheimlichen, dass sich hier in der Sprache – und auch im Cartoon des Videos – transsexuelle Menschen wieder einmal als latent lächerlich dargestellt werden – genauso wie die Idee der Umkehr von Nazi-Ideologie zu linker Politik. Cro singt: “Von rechts nach links, von Mann zu Frau”, das klingt zudem auch nach der Argumentation, Links- und Rechtsextremismus wären eben zwei Enden einer Skala, die durchaus gleichzusetzen wären. Wir stimmen dem jedenfalls nicht zu und sind froh, dass Monika Strube den Ausstieg aus der gewaltbereiten, mordenden rechtsextremen Szene geschafft hat.

Rundum, es bleibt ein schlechtes Gefühl zurück und der Ohrwurm macht eher unglücklich. Menschenfreundliche Musik gegen Nazis klingt anders, oder?!

Text von Kolja Beerwald

Update: Übrigens hat Monika Strube zusammen mit Aktion Transsexualität und Menschenrecht e. V. (ATME) Strafanzeige gegen die vier Schwaben gestellt und auf Unterlassung geklagt. Mehr dazu siehe bei rap.de

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3 Kommentare

  1. Jo Di Lidö sagt:

    Ich finde den Song gut. Er verdeutlicht allen Zuhörern die latente Intoleranz und das Messen mit unterschiedlichen Maßstäben, welche Antifa-Leute eben auszeichnen. Antifas geben sich gern ‘tolerant’, amüsieren sich aber gern tot über Schwule oder Transsexuelle, wie zu sehen an diesem Song. Sie kritisieren andere Gruppen für deren Intoleranz, dabei zeichnet Intoleranz ggü anderen Meinungen sie selbst maßgeblich aus. Zum Beispiel diese Zuschrift hier: Sie wird nie erscheinen, denn sie kritisiert die Antifa. So ist das Leute, und deshalb habt Ihr nicht die Unterstützung der Masse, sondern Ihr arbeitet gegen sie. Ihr hasst Menschen, das ist Euer ganzer Antrieb.

  2. H.P.Barkam sagt:

    Dumme Jungen, wie sie es in unserer Gesellschaft zu Hauf gibt.
    Produzenten, denen jede Dämlichkeit recht ist, solange sie Geld einbringt.
    Wobei das Geplärre nicht auf CD’s, sondern in den Schrädder der bitte doch schnell zu vergessenden Songs gehört.
    Wie lange dauert es noch, bis einschlägige Nazi-Krachmacher im Öffentlich Rechtlichen auftreten dürfen?

  3. wenigeristmehr sagt:

    Das Resumee des Textes fasst mein Gefühle/meine Fragen zusammen, welche ich nach dem 1. hören von dem Lied hatte. Es ist kein Anti-Nazi Song sondern ein Anti-Monika (ehemals Klaus´) Song, was man a) an der comicartigen Verarbeitung sieht und b) der übertriebenen Wiederholung der Tatsache von Mann zu Frau, von rechts zu links. Eigenartige Verarbeitung. Seit Jaaaaahren der merkwürdigste Song, den ich je gehört habe…

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