Gedenken an Oury Jallouh

Gestern war der 8.Todestag von Oury Jallouh, der 2005 in einer Gefängniszelle in Dessau gestorben ist. Am 07. Januar  wurde Oury Jallouh festgenommen und im Polizeigewahrsam in eine Zelle gesperrt. In der Gefängniszelle brach ein Brand aus und Oury Jallouh, der mit Füßen und Händen an eine Matratze gefesselt war, verbrannte qualvoll.

Noch immer viele offene Fragen..

Wie konnte das passieren!? Die Umstände des Todes sind bis heute nicht offiziell geklärt. Bei den Darstellungen der Polizei gibt es viele Merkwürdigkeiten. Es wird behauptet, Oury Jallouh habe sich selbst umgebracht. Viele Beweise sprechen jedoch gegen diese Theorie.

Ein gerechtes Gerichtsverfahren gab es bis heute nicht. Dafür aber weltweiten Protest gegen den Vorfall und die fehlende Aufklärung. Gegen die zwei Polizeibeamte, die zu der Tatzeit im Dienst waren, gibt es einige Vorwürfe. So haben sie viel zu lange einfach nicht auf den Feueralarm reagiert. Allein schon die Tatsache, dass Oury Jallouh so lange in der Zelle gefesselt und allein gewesen ist, ist verantwortungslos. Eine zweite Obduktion, die erst auf Drängen von Initiativen und Einzelpersonen entstanden ist, hat ergeben, dass Oury Jallouh eine gebrochene Nase gehabt hat. Eigentlich hätte er ins Krankenhaus und nicht in eine Gefängniszelle gemusst.

Wer war Oury Jallouh?

Oury Jallouh wurde 1968 in Sierra Leone, Westafrika, geboren. Seine Familie musste vor dem dortigen Bürgerkrieg fliehen. Oury Jallouh ging nach Deutschland um dort Geld verdienen zu können. Er lebte vier Jahre in Deutschland, sein Asylantrag wurde jedoch abgelehnt. Oury Jallouhs Mutter reiste nach Deutschland und nahm als Nebenklägein teil. Letztes Jahr ist sie in Sierra Leone verstorben.

Gewalt von Polizist*innen

Die vielen Ungereimtheiten und vorhandene Beweise sprechen dafür, dass Oury Jallouh getötet wurde. Von Polizisten. Das klingt krass. Und ist wahrscheinlich ein Grund dafür, dass seit acht Jahren für ein gerechtes Verfahren gekämpft wird. In allen Teilen der Gesellschaft lassen sich heutzutage rassistische Einstellungen finden, egal ob beim Bäcker nebenan oder eben der Polizei. Deshalb ist es wichtig, auch diesen Rassismus zu benennen und gegen ihn aktiv zu werden!

Bei dem Prozess im Jahr 2007/08 gegen die zwei angeklagten Polizisten wurden die beiden Angeklagten freigesprochen. Der Bundesgerichtshof in Magdeburg verurteilte 2010 jedoch den Dienstgruppenleiter wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe.

Damit ist der Fall aber immer noch nicht ausreichend geklärt. Denn die genauen Umstände sind bis heute nicht aufgedeckt. Es ist auch möglich, dass von Gesetzesvertreter*innen, wie der Polizei, Gesetze gebrochen werden können. Wenn Polizist*innen vor Gericht angeklagt werden, kommt es sehr selten zu einer Verurteilung, auch wenn viele Beweise die Schuld belegen könnten.

Erkennbarer Rassismus

Der „Fall“ Oury Jallouh zeigt nicht nur, wie ungerecht manchen Prozessverfahren laufen können und wie schwierig es ist, rechtlich gegen die Polizei vorzugehen – es lassen sich zudem rassistische Muster erkennen.

Es gibt Telefonaufnahmen aus der Polizeistelle in Dessau, bei denen sich die Beamten abwertend und klar rassistisch zu Oury Jallouh äußern. Dass viele Asylbewerber*innen als Kriminelle, Unerwünschte oder allgemein als weniger „wert“ angesehen werden, kommt nicht nur bei der Polizei, sondern leider auch in vielen Teilen der Gesellschaft vor. (Rassismus – Was ist das genau?)

Break the silence“

Viele Menschen haben sich organisiert und protestieren gegen die ungenügsame Aufklärung von Oury Jallouh´s Tod und gegen den akzeptierten Rassismus in der Gesellschaft. Hier ist die Homepage der Initiative „Break the silence“, die auch dieses Jahr wieder eine Demonstation in Dessau veranstaltet hat. Außerdem ist die Kampagne gerade dabei, Geld für ein unabhängigen Brandgutachter zu sammeln, der den mysteriösen Tod endlich aufklären soll. So ein Brandgutacher ist sehr teuer – deshalb wird viel Geld benötigt. Die Angehörigen und Freund*innen von Oury Jalloh freuen sich über jeden, auch kleinen Geldbetrag. Hier entlang zum Spenden!  Auch wir zeigen uns solidarisch und Gedenken Oury Jallouh!

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