Dossier: Rassismus

“Es gibt eine natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Völkern” – Dieser zutiefst rassistischen Aussage stimmten einer Studie der Universität Bielefeld  aus dem Jahr 2008 fast jede*r dritte Bundesbürger*in zu. Vielleicht stutzt ihr jetzt: Wie kann das sein? Warum sind rassistische Ideologien immer noch so ein fester Bestandteil der Gesellschaft? Und was können wir, on- und offline, dagegen tun? Im folgenden Dossier präsentieren wir euch die wichtigsten Artikel, Daten und Fakten zum Thema Rassismus.

Rassismus

Als Rassismus bezeichnet man den Glauben, man könne Menschen in bestimmte Gruppen einteilen und daraus unveränderbare Eigenschaften und Charakterzüge ableiten. Dabei wird die geschaffene „eigene Gruppe“ als höherwertig angesehen und über die „anderen Gruppen“ gestellt. Diese erdachte Ungleichwertigkeit wird dann als Berechtigung für Diskriminierung und Stigmatisierung benutzt.


Das Fundament von Rassismus: die überholte Ideologie menschlicher “Rassen”

Die Einteilung von Menschen in „Rassen“ ist wissenschaftlich längst überholt, wurde in der Vergangenheit jedoch schon mehrfach für menschenverachtende Vorstellungen benutzt. Der historisch gewachsene und ursprüngliche Rassismus ist ein extremes Vorurteil gegenüber einer Gruppe, die nach scheinbar einzigartigen, sichtbaren Merkmalen wie “Rasse”, Temperament oder Charakter als anders und minderwertig beurteilt wird.

 

309 Thilo Sarrazin - 18-03-2014

Dieser User geht davon aus, dass sich “Türkisch-Sein” irgendwie und irgendwo in den Genen definiert. Eine Aussage, die nicht nur wissenschaftlich falsch ist, sondern auch nah an Nazi-Ideologien dran ist.

Heutzutage ist dieser “klassische Rassismus” größtenteils in neonazistischen Kreisen verankert, da die gesellschaftliche Ächtung und entsprechende Sanktionen und Strafen eine abschreckende Wirkung haben.

 


Kulturalistischer Rassismus

Verschwunden ist Rassismus darum aber lange noch nicht. Stattdessen treffen wir auf eine “moderne” Form von Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft, dem sogenannten “kulturalistischen Rassismus”. Das Aussehen oder die Herkunft eines Menschen wird einer bestimmten “Kultur” zugeschrieben – rassistische Stereotype werden einfach übernommen. “Antimuslimischer Rassismus” ist ein Beispiel dieser Form von Rassismus. Besonders im Netz verbreitet sich kulturalistischer Rassismus schnell. Die Idee der Anonymität bewegt viele Leute zu Aussagen und Parolen, die sie sich im “wahren Leben” nicht trauen würden, auszusprechen.

 


“Positiver Rassismus” – wie geht denn das?

Eine weitere Form von Rassismus ist der sogenannte “positive Rassismus”. Positiver Rassismus bedeutet die Zuschreibung nicht explizit als “negativ” bewerteter Eigenschaften auf bestimmte Menschengruppen. Dazu gehört zum Beispiel der Ausspruch, dass “schwarze Menschen Rhythmus im Blut” hätten, oder die Vorstellung, dass Schüler*innen asiatischer Herkunft besonders “fleißig” wären. Das klingt zunächst mal nach einem Lob. Oftmals werden solche Aussagen von Menschen getätigt, die gerade nicht rassistisch sein wollen.

Und trotzdem: Es wird ein “Wir” gegenüber dem “Anderen” oder auch oftmals gegenüber dem “Exotischen” geschaffen. Menschen werden rassifiziert, denn das Blut soll angeblich über Eigenschaften oder Fähigkeiten wie das Tanzen, aussagekräftig sein. Wie bei rassistischen Ideologien steht dabei eben die “Andersartigkeit” im Vordergrund. Das Problem ist: Nicht die individuelle Andersartigkeit wird betont, sondern eben eine verallgemeinernde, gruppenbezogene Andersartigkeit. Und das kann zu Stereotypen und Vorurteilen führen.


Rassismus im Alltag, Rassismus in der Gesellschaft, Rassismus im Netz

Die Ursachen für Rassismus sind unterschiedlich. Sie können persönlich, gesellschaftlich oder historisch bedingt sein. Besonders die Einstellung, dass Menschen von Natur aus “besser” seien als andere, macht anfällig für rassistische Einstellungen. Rassistische Vorurteile werden von Personen weitergegeben und somit über Generationen verfestigt. So werden menschenfeindliche Strukturen Teil des Alltags.

 

 

317 Deutscher Heimatschutz - Gemeinsam für Deutschland! - 18-03-2014

Screenshot der Seite “Deutscher Heimatschutz”

Dieses Mitglied der Facebook-Seite “Deutscher Heimatschutz” fühlt sich bereits durch die Anwesenheit zweier Schwarzer in einer Arztpraxis bedroht. Rassismus und imaginierte Bedrohungs-Szenarien sind für ihn paranoider Alltag geworden.

 

Rassismus wird “institutionalisiert” und findet sich überall in der Gesellschaft: In den Medien, der Erziehung, Rechtsprechung, im persönlichen Umfeld, in Schulen, Universitäten, Krankenhäusern, großen Firmen, mittelständischen Unternehmen, sowie in öffentlichen und politischen Einrichtungen, Gerichten und sogar bei der Polizei.

 

 

Weitere Artikel – Rassismus in Kinder- und Videospielen:

 

Rassismus findet sich überall – leider auch da, wo er besonders gefährlich ist: In Kinderzimmern, Kinder- und Konsolenspielen.

 

 

Kann Rassismus lustig sein?

Eine weitere Strategie, um Rassismus salonfähig zu machen, ist besonders in sozialen Netzwerken verbreitet. Die Seiten nennen sich“Schwarzer Humor”, ”Mein Humor ist so schwarz, der fängt gleich an Baumwolle zu pflücken” oder “Schwarzer Humor ist wie Essen – Manche haben es, manche nicht”. Und dabei verbreiten sie einen angeblichen Humor, der sich über Menschen lustig macht, die in der Gesellschaft immer wieder von Diskriminierung betroffen sind. Behinderte Menschen, Nicht-Weiße Personen, Migrant*innen, Schwule und Lesben, Juden und Jüdinnen oder das Schicksal von armen Menschen stehen im Fokus der angeblich witzigen Kommentare oder Fotos.

 

Facebook taggt die Gruppen, die nicht sofort gelöscht werden mit [Umstrittener Humor]. Wir finden – das reicht nicht. Menschenverachtenden, rassistischen “Humor” melden!

Wenn die Ideologie eskaliert: Rechte und rassistische Gewalt in Deutschland

Rassistische Ideologien führen zu Stigmatisierung, Diskriminierung und im schlimmsten Fall zu Gewalt. Jährlich werden unzählige Menschen Opfer rassistischer Übergriffe. Seit dem Jahr 1990 hat die Amadeu Antonio Stiftung eine Chronik von 182 Todesopfern erstellt, die aus rechten, rassistische oder homophoben Motiven umgebracht wurden. Dabei dürfte die Dunkelziffer viel höher liegen, denn oftmals ermittelt die Polizei nicht nach einer  rassistischen oder rechten Einstellung der Täter*innen.

316 Bürgerbewegung PRO NRW - 18-03-2014Ziemlich deutlich machen diese User ihre Einstellung zu Schwarzen. Den Verweis auf den Holocaust mit einem lachenden Smiley abzuschließen macht die Aussage allerdings auch nicht lustiger.

 

Diese folgenschwere Ermittlungspraxis der Behörden ist zuletzt durch die Mordserie des “Nationalsozialistischen Untergrunds” öffentlich geworden. Zehn Menschen mit einer  türkischen oder  griechischen Zuwanderungsgeschichten  sowie eine deutsche Polizistin wurden durch den “NSU” umgebracht. Die Behörden ermittelten jedoch in den Familien der Opfer, da sie die Gründe für die Mordserie in der  “Mafia- und Schutzgelderpressung” vermuteten. Auch in der Presse-Berichterstattung schlug sich dieser institutionalisierte Rassismus nieder.

Weitere Beispiele rassistischer Problem- und Zwischenfälle in Deutschland

 

 

 

 

 

Rassismus ist kein Problem der Vergangenheit, Rassismus hat nicht mit der NS-Zeit angefangen und nicht mit den Anschlägen der Neunziger Jahre aufgehört. Rassismus ist ein aktuelles Thema. Darum ist es wichtig, sich gegen alle Formen der Diskriminierung und Unterdrückung zu engagieren. Das kann schon im Kleinen anfangen, wenn ihr Menschen darauf aufmerksam macht, dass es sich um ein Vorurteil handelt, wenn sie sagen, dass “alle Ausländer*innen kriminell sind”. Wenn Freund*innen rassistische Bilder, Videos, Lieder, Artikel, Sprüche, Witze oder Kommentare posten, einfach mal sagen “Hey, das finde ich nicht okay”.

Immer wieder gibt es auch tolle Aktionen gegen Rassismus, an denen sich jeder beteiligen kann. Beispielsweise das bundesweite Programm “Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage” – aber auch im Netz tut sich einiges: So startete Anfang 2014 in der Schweiz die Anti-Rassismus-Aktion “OhneDich”, die sich blitzschnell im Internet ausbreitete. Die Aktion “Gib Rassismus keine Chance” wirbt im Netz mit bekannten Gesichtern für Toleranz und auch auf rassismus-toetet.de, aktioncourage.org und den Seiten des “Mediendienstes Integration” sowie dem Online-Auftritt der “Internationalen Wochen gegen Rassismus” findet ihr weitere Informationen zum Thema.

303 Umstrittener Humor - Niveau hau rin - 18-03-2014 Solche und ähnliche Kommentare dürfen so nicht im Netz stehen bleiben – solltet ihr selbst über derartige Entgleisungen stolpern, mischt euch ein. Auch wenn es mühselig ist, es ist wichtig!

 

Das Motto ist: Hinschauen, einmischen, Rassismus bekämpfen!

Ganz wichtig, wenn ihr rechte oder rassistische Gewalt mitbekommt: Schaut nicht weg, sondern mischt euch ein! Holt Hilfe bei anderen Zeug*innen, die von der Tat mitbekommen und ruft die Polizei! Solidarisiert euch mit den Betroffenen und zeigt, dass rassistische Übergriffe nicht zum Alltag gehören dürfen! Und auch in unserem Grundgesetzt ist festgelegt, dass “niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden” darf .

Falls ihr selber von rechter oder rassistischer Gewalt betroffen sein solltet, könnt ihr euch an die Beratungsstellen für Opfer rechter und rassistscher Gewalt wenden. Diese beraten euch kostenlos und anonym, kümmern sich um psychologische Betreuung und begleiten euch zur Polizei oder zu Gerichtsprozessen. Die Kontaktadressen zu den Beratungsstellen in Deutschland bekommt ihr hier. Manchmal hilft es auch, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Im Rahmen der “Internationalen Wochen gegen Rassismus” haben wir euch nach euren Erfahrungen mit Alltagsrassismus gefragt.

Weitere Artikel findet ihr auf:

Netz-gegen-Nazis http://www.netz-gegen-nazis.de/category/lexikon/rassismus
no-nazi.det /tag/rassismus/
Zeit http://www.zeit.de/suche/index?q=Rassismus
Spiegel http://www.spiegel.de/thema/rassismus/

 

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2 Kommentare

  1. DasNiveau sagt:

    #SchauHin

    Das der Hashtag schon lange “gekapert” ist wisst ihr?

    [WORDPRESS HASHCASH] The poster sent us ‘0 which is not a hashcash value.

  2. […] /gute-ideen-gegen-nazis/dossier-rassismus/ Idiotismus zur Potenz erhoben, was sagt der gebürtige Türke Pirincci dazu, “die werfen unsere Steuergelder aus dem Fenster raus!” […]

    [WORDPRESS HASHCASH] The comment’s server IP (192.0.83.14) doesn’t match the comment’s URL host IP (76.74.254.123) and so is spam.

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