Diskriminierung im Alltag #2

Unser How to fight discrimination heute:

Was tun bei rassistischen Polizeikontrollen?

Derege Wevelsiep fährt mit seiner Frau und seinem Kind nach einem langen Arbeitstag nach Hause. Er besitzt eine Monatskarte und kann deshalb seine Frau und seinen Sohn, der erst 3 Jahre alt ist, kostenlos mitnehmen. Die Kontrolleure, die die kleine Familie auf ihrer Fahrt kontrollieren, haben deswegen auch nichts zu bemängeln. Auf dem Weg nach Hause merkt Hr. Wevelsiep, dass er etwas vergessen hat und trennt sich  in der Bahn von seiner Familie. Sie wollen sich später in der gemeinsamen Wohnung wieder treffen. Ein paar Minuten später ruft seine Verlobte an, da sie von Kontrolleuren beschuldigt werde, trotz der Monatskarte, schwarz gefahren zu sein. Sie bittet ihn deshalb schnell zu ihr zu kommen. Ein paar Minuten später befindet sich Herr Wevelsiep in der U-Bahn- Station, in der sich seine Frau und sein Sohn, umringt von vier Kontrolleuren, aufhalten. Diese verlangen 40€ von seiner Frau, da diese einen „anderen Afrikaner“ mitgenommen habe, so die Kontrolleure. Das sei rechtswidrig. Außerdem sei man hier „nicht in Afrika“. Da seine Frau keine andere Person mitgenommen hat, wird für Wevelsiep sehr schnell deutlich, dass es hier garnicht um die Fahrkarten, sondern um die Schwarze Hautfarbe geht, die Derege Wevelsiep und seine Verlobte von den Weißen Kontrolleuren unterscheiden. Diese Vermutung äußert er auch laut vor den Kontrolleuren. Seine Verlobte schlägt vor die Polizei zu rufen…

Brutales Verhalten der Polizei

…Wenig später erscheinen drei männliche Polizisten und eine weibliche Polizistin. Ein Polizist zieht seine Handschuhe an. Derege Wevelsiep und seine Verlobte werden aufgefordert ihre Ausweise zu zeigen. Die Polizist*innen fragen nur die Kontrolleure, was vorgefallen sei. Als Derege Wevelsiep äußert, dass er seinen Ausweis nicht dabei habe und dass sich eh alles um ein Missverständnis handle, wird seine Frau – vor den Augen des Sohnes – weggestoßen. Wevelsiep wird von den Polizist*innen an die Wand gedrückt und mit auf die Straße gezerrt. Ihm werden Handschellen angelegt. Als er sich darüber beklagt, dass er nicht kriminell sei und sich deshalb nicht ohne Grund fesseln lasse, wird er mit der Faust ins Gesicht geboxt.  Die Polizist*innen fesseln ihn dennoch und schlagen mit Faust gegen Niere, Brust und Knie.

Verhöre im Krankenhaus

Danach fahren sie mit Derege Wevelsiep in seine Wohnung und durchsuchen diese, bis sie den Ausweis finden. Seine Verlobte findet ihn später bewusstlos in der Wohnung liegen. Sie ruft den Krankenwagen. Die Polizist*innen versuchen die Rettungssanitäter*innen weg zuschicken. Drei Tage lang liegt er wegen seinen Verletzungen im Krankenhaus. Dort bekommt er wieder Besuch von der Polizei. Sie wollen ihn befragen, obwohl er mit Gehirnerschütterung,  der Prellung des Thorax rechts, Prellung des Knies rechts und  Prellung der Hüfte rechts im Krankenhaus liegt. Als er die Polizei auf seinen Gesundheitszustand verweist, wird der Polizist sauer: „Er lasse sich nicht verarschen.“ Erst durch den Druck des Geschäftsführers des Krankenhauses, lassen die Polizist*innen locker und verlassen das Gebäude.

Diskriminierung ist menschenverachtend – egal von wem sie ausgeht!

Der umschriebene Vorfall zeigt auf, wie alltäglicher Rassismus in Deutschland aussehen kann. Diskriminierungen und Gewalt gegen Menschen, die eine dunkle Hautfarbe haben oder als „fremd“ wahrgenommen werden, werden von allen Personengruppen ausgeübt – leider auch immer wieder von der Polizei und anderen Personen, die eigentlich für die „Sicherheit aller Menschen“ verantwortlich sind. Die Geschichte von Derege Wevelsiep, über die letztes Jahr die Frankfurter Rundschau berichtete, ist deshalb nur eine Diskriminierungssituation von Tausenden. Und es ist wichtig, diese Diskriminierungen zu thematisieren und dagegen vorzugehen.

Wenn du mitbekommst, dass Polizist*innen oder Security- Menschen am Bahnhof wahllos Menschen mit dunkler Hautfarbe durchsuchen, schikanieren und rassistisch beleidigen, ist es wichtig, dass umstehende Zeug*innen aktiv werden! 

Es kann für die Betroffenen schon sehr behilflich sein, wenn du einfach fragst, was gerade passiert ist oder ob jemand Hilfe benötigt. Wenn du dich nicht traust, laut zu werden, beobachte die Situation und nehme Blickkontakt mit den Betroffenen auf.

Es gibt auch Beratungsstellen, die sich um diese spezifische Form von Diskriminierung kümmern. Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt berät Menschen, die von dieser Gewalt betroffen sind, begleitet die Opfer zu Gerichtsprozessen und kümmert sich um psychologische Betreuung.

Habt ihr Fragen, Anmerkungen oder eigene Erfahrungen, die ihr uns mitteilen wollt? Dann schreibt uns an: nonazinet@amadeu-antonio-stiftung.de !

Unsere Reihe „How to fight discrimination“: Viele Menschen in Deutschland werden aufgrund ihres Aussehens, ihrer (vermeintlichen) Herkunft, der Hautfarbe oder der Religion benachteiligt oder anders behandelt. Dies kann auch aufgrund von körperlichen Behinderungen oder des Aussehens passieren. Wenn so etwas passiert, sprechen wir von Diskriminierung.

Diskriminierende Situationen sind für die betroffenen Personen leider keine Ausnahme, sondern häufig alltägliche Begebenheiten. In unserer Reihe “Diskriminierung im Alltag” wollen wir uns genauer mit diesen Situationen beschäftigen:  Wo werden Menschen in Deutschland diskriminiert und anders behandelt als der Rest der Mehrheitsgesellschaft?  Zum Einen wollen wir herausfinden, wie Menschen sich wehren können, wenn sie diskriminiert werden. Zum Anderen möchten wir euch Handlungstipps geben, wie man reagieren kann, wenn man schwierige, oft lähmende Situationen erlebt, in denen andere diskriminiert werden.

Text von Olga Wendtke

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1 Kommentar

  1. Adanusha sagt:

    masslos übertrieben! und ich habe schon genug schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht. einfach nur Müll was hier geschrieben wurde. Schade!

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