„Nationalsozialistischer Untergrund“ (2): Was war das?

Im Verfahren um den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (kurz „NSU) ist jetzt Anklage gegen Beate Zschäpe erhoben worden. Ihr wird vorgeworfen 10 Morde, unzählige Anschläge und Bankraube organisiert und geplant zu haben.

Doch was ist dieser „NSU“ eigentlich genau und warum ist das Thema immer noch aktuell?

Vor mehr als einem Jahr…

… am 14.11.2011 wurde bekannt, dass eine terroristische Gruppe, die sich selbst der  „Nationalsozialistische Untergrund“ nannte, in den Jahren 2000 bis 2006 neun Personen aus rassistischer Motivation und eine Polizistin umgebracht hat.
Bei den 10 Opfern handelt es sich um Enver Şimşek , Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides , Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.

Theodoros Boulgarides hat eine griechische Zuwanderungsgeschichte, alle anderen genannten Opfer – abgesehen von der Polizistin Kiesewetter – verschiedene türkische Migrationshintergründe. Die Opfer waren Kleinunternehmer, die in ihren Geschäften, Blumenläden oder Imbissen umgebracht wurden.

Der „NSU“ ermordete diese Menschen gezielt. Der Grund: Purer Hass auf alle, die nicht aus Deutschland kommen. Also, “Rassismus”. Jahrelang hatte sich die rassistische Einstellung der Neonazis des NSU aufbauen und festigen können, bevor sie aktiv wurden:

Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe organisierten sich in den 90iger Jahren im „Thüringer Heimatschutz“. Der Thüringer Heimatschutz war bis 2001 das mitgliedsstärkste, militanteste, dichteste und vermutlich gefährlichste Neonazi-Netzwerk in Thüringen.
Und die drei Terrorist*innen wurden der „Blood-and-Honour“- Bewegung zugerechnet. Schon damals gingen Verstoße gegen das Waffengesetz, Anzeigen wegen Körperverletzung, Volksverhetzung und Briefbombenattrapen auf ihr Konto. Im Januar 1998 tauchte Uwe Böhnhardt zusammen mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe unter, da er sonst eine Haftstrafe für 2 Jahre hätte antreten müssen.

Was heißt denn eigentlich “untertauchen”?

Der NSU lebte mit falschen Identitäten mitten in Deutschland. Das heißt, sie waren nicht mehr bekannt als Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, sondern nahmen neue Namen an, änderten ihre Wohnorte und verschwanden so zunächst vom polizeilichen Radar.

Auch während der Mordserie, die im Jahr 2000 begann, lebten die drei Hauptverdächtigten mit falschen Identitäten mitten in Deutschland. Dieses Leben konnte nur mit der Unterstützung von Helfer*innen durchgeführt werden. Gefälschte Pässe, Wohnungen, Waffen und Munition konnten nur mit Hilfe von weiteren Neonazis besorgt werden. Rolf Wohlleben, der die Waffe für die Morde gekauft haben soll,  wurde deshalb auch fest genommen und sitzt immer noch im Gefängnis. Da viele verschiedene Menschen in die Terroraktionen involviert gewesen sein müssen, handelt es sich bei dem „NSU“ nicht nur um ein „Terrortrio“, sondern um ein ganzes „Neonazi- Netzwerk“.

Diese Terrorzelle NSU konnte jedoch nicht nur unbehelligt mordend durch Deutschland ziehen, sondern auch zahlreiche Anschläge und Banküberfälle ausüben. So verübte der NSU am Juni 2004 einen Nagelbombenanschlag in der Keuptstraße in Köln, eine Straße, die besonders von der türkischen Community bewohnt wird. 22 Menschen wurden verletzt, einige davon lebensgefährlich.

Auch eine Sprengstoffexplosion in einem Geschäft im Dezember 2000, wo die deutsch-iranische Tochter des Ladeninhabers schwer verletzt wurde, wird dem NSU zugeordnet. Im April 2007 wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn umgebracht. Warum der NSU diesen Mord verübte, ist bis heute ungeklärt.

All diese Dinge werden nun in der Anklage gegen Beate Zschärpe behandelt und es wird versucht zu klären, wer in welcher Form involviert war in die Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds.

Siehe auch “Der NSU und seine Anfänge”

Text von Olga Wendtke & Anna Groß

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