Demobericht: Meine erste Nazi-Demo, glücklicherweise auf der Protestseite

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Potsdamer Platz. Berlin-Mitte.

Als wir gegen 13Uhr aus der S-Bahn steigen, fällt uns erstmal die starke Polizeipräsenz auf. Auch die Gitter weisen daraufhin, dass hier in den nächsten Minuten eine Kundgebung statt finden soll. Neben den zahlreichen Tourist*innen, die bei schönem Wetter über den Platz flanieren, fällt der einzige Neonazi, der anwesend ist, nicht recht auf. Daran ändert sich beruhigender Weise auch in der nächsten Stunde nichts. Selbst die angebliche  Tugend von der “deutschten Pünklichkeit” scheint nicht mehr weit verbreitet innerhalb der Neonazi- Szene. Erst um 14 Uhr, und damit eine Stunde später als auf ihrer Internetseite angekündigt, taucht ein (!) blauer VW-Bulli mit sieben (!) Neonazis auf. Woohoo, so sieht sie also aus die “deutsche Front”. 7 Neonazis?! Wir sind weiterhin beruhigt.

Unter den Neonazis befindet sich, keine Überraschung, der Anmelder und NPD-Vorsitzende aus Berlin: Sebastian Schmidtke. Es werden Lautsprecher aufgestellt, mit denen in den nächsten zwei Stunden Gegendemonstrat*innen mit rechter Musik übertönt werden sollen. Zusätzlich breiten zwei Neonazis ein Transparent mit dem ausländerfeindlichen Spruch “Einmal Deutschland und zurück; Asyl ist kein Selbstbedienungsladen” aus. Ich frage mich, was würde Herr Schmidtke wohl tun, wenn er irgendwann in seinem Leben mal Asyl beantragen müsste. Wie würde er sich fühlen, wenn er Nazis wie sich selbst gegenüber stehen müsste als Geflüchteter?

Neben dem NPD-Vorsitzenden Sebastian Schmidtke, greift auch der Landesvorsitzende der NPD Brandenburg, Ronny Zasowk  zum Mikrofon. Als dritter Redner tritt der NPD-Landessprecher Matthias Faust vor. Doch der Protest ist erfolgreich, die Gegendemonstrant*innen sind so laut, dass die Nazis kaum zu hören sind!  Noch bevor sie das Wort erheben können ertönen laute “Buuh” und “Nazis raus!”-Rufe. Daran ändert sich auch in den nächsten Stunden nichts.

Der Anlass der NPD- Kundgebung ist angeblich eine Plenarsitzung zum Thema “Doppelte Staatsbürgerschaft”, die zeitgleich im Bundestag statt findet. Auf die konkrete Diskussion, ob Menschen in Deutschland neben dem deutschen Pass auch einen Ausweis aus einem anderen Land besitzen dürfen, wird in den Redebeiträgen jedoch wenig Bezug genommen. Recht schnell wird klar, das die NPD mal wieder ein Thema, das Aktualität aufweist für ihre neonazistische Hetze nutzten will. Die Inhalte der einzelnen Reden unterscheiden sich wenig. Dafür wiederholen sich ausländerfeindliche Aussagen wie “Wollen Sie eine totale Multi-Kulti-Gesellschaft? … Wir wollen sie nicht!” oder “Deutschland darf nicht das Sozialamt der ganzen Welt werden”.

Einige Gegen-Demonstrant*innen kommen auf die kreative Idee, Autofahrer*innen mit in die Demonstration einzubinden. Mit Pappschildern, auf denen “Hupen gegen Nazis” geschrieben steht, fordern sie Vorbeifahrende auf, die Reden der Neonazis zu stören. Das erweist sich als sehr erfolgreich und sogar ein BVG-Busfahrer unterstützt die Proteste. Ich glaub, ich fahre jetzt wieder öfter Bus  :)

Viele Passant*innen solidarisieren sich mit den Protesten und trotz der erst am Dienstag bekanntgegebenen spontan Kundgebung der Nazis, ist der Gegenprotest nicht zu überhören!

Gegen 16 Uhr verabschiedet sich die NPD endlich. Begleitet von “Nazis haut ab”-Rufen werden die Lautsprecher zurück in den VW-Bus geräumt. Wenige Minuten später gibt es keine Anzeichen von Neonazis am Potsdamer Platz mehr. Und das ist auch gut so!

Bericht von Frederik König

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