(Be)Strafen?

Was bedeutet eigentlich Strafe? Und was spricht gegen die Todesstrafe?

Bei unseren Artikeln zum NSU-Prozessauftakt entdeckten wir auf unserer Facebook-Seite Kommentare, wie “Eine rechtsradikale Ossitante, die man hofentlich mit aller Hörte bestraft”; “… Diese Frau soll bis zum Ableben nur noch kalte Knastwände sehen”; “… Sie kann allerdings maximal für 10 Jahre ins Gefängnis kommen, aber meiner Meinung nach gehört sie Lebenslänglich hinter Gitter!!”. Manche forderten die Todesstrafe, andere wurden noch menschenunwürdiger in ihren Forderungen. Und nicht nur auf unseren Seiten ergötzen sich viele Menschen an ihrem “Hass” gegen Beate Zschäpe und die anderen angeklagten Mittäter. Deshalb möchten wir uns heute einmal mit dem Thema “Strafe & Bestrafung” beschäftigen, denn “Strafe” ist das eine – die Mitglieder des NSU müssen sich auf jeden Fall nach den rechtsstaatlichen Gesetzen verurteilt werden! Die Todesstrafe ist jedoch etwas ganz Anderes. Aber wieso eigentlich?

Welchen Sinn verfolgt die Bestrafung von Menschen?

Eine Strafe dient dazu, eine Person oder Gruppe, die gegen das Gesetz gehandelt haben, zu sanktionieren. Dadurch soll die Täterin bzw. der Täter zum besseren Handeln gebracht werden. Dabei ist es natürlich von Bedeutung, was als “Unrecht” und im Gegensatz dazu als “gutes Verhalten” angesehen wird. Die Strafe dient einerseits dazu, die begangene Tat zu verurteilen und weitere Taten zu verhindern. Je nach Tat geht es auch darum, die Gesellschaft vor weiteren Taten zu schützen. Dies erfolgt zum Beispiel durch die Haftstrafe oder auch in Folge danach die so genannte Sicherheitsverwahrung.

Gefängnisstrafe in Deutschland

Auf staatlicher Ebene heißt Bestrafung, Geld bezahlen müssen oder auch Freiheitsentzug, also Haftstrafe. Dabei werden Täter*innen auch deshalb inhaftiert, um weitere Taten zu verhindern. Darüber hinaus soll die (Haft-) Strafe auch andere potentielle Täter*innen abschrecken – eine Angst vor der Strafe nach der Tat aufbauen.

Eine krasse Form der Bestrafung: die Todesstrafe

Facebook-Screenshot

Die Todesstrafe verletzt ein wesentliches Grundrecht eines jeden Menschen: das Recht auf Leben. In vielen Ländern, auch in der Bundesrepublik Deutschland, ist sie genau deshalb abgeschafft.

Die Todesstrafe ist eine extrem gewaltvolle Art der Bestrafung. Anstatt für Gerechtigkeit zu sorgen, handelt sie nach dem Motto: “Auge um Auge. Zahn um Zahn”, also Gleiches soll mit Gleichem bestraft werden. Diese Form der Vergeltung schafft jedoch nicht mehr Gerechtigkeit, sondern sorgt vielmehr für ein Klima der Angst. Das Recht auf Leben wird plötzlich verhandelbar und Rache wird zur legitimen Form von Bestrafung erklärt. Dieses Recht kann schnell missbraucht werden. Die Hinrichtung der Täter*innen kann die Opfer nicht wieder lebendig machen. Die Todesstrafe ist unumkehrbar, das heißt, die Gefahr einen unschuldigen Menschen hinzurichten, und dies nicht mehr ändern zu können, ist groß.

Und durch die Todesstrafe werden nicht die Ursachen für Verbrechen bekämpft. Genauso wenig werden potentielle Täter*innen stärker durch sie abgeschreckt. Das zeigt sich zum Beispiel bei Statistiken aus den USA, wo es in einigen Bundesländern immer noch die Todesstrafe gibt, die Gewalttaten dadurch aber nicht verringert werden.

Beate Zschäpe sollte also nicht bestraft werden?!

Nein, um diese Frage geht es hier gar nicht. Im Gegenteil!. Aber man sollte vielleicht zweimal darüber nachdenken, wenn man die “Todesstrafe” oder “Vergeltung” fordert, ob man sich damit nicht zu nah an die Sprache mancher Nazis anlehnt. Auch für Täter*innen gelten Menschenrechte.

Oder was meint ihr?

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