Das Barbie Traumhaus: ein pinker Alptraum?

Am 16. Mai soll in Berlin am Alexanderplatz der rosarote Traum aller Mädchen eröffnen: The Barbie Dreamhouse Experience. Eine interaktive Ausstellung,  in der die Besucherinnen (!) die Wahl zwischen Cupcake-Bäckerin, Popstar, Shopaholic und Model haben. Mit männlichen Besuchern scheint das Dreamhouse eher weniger zu rechnen.

Mit Mode-Workshops, Schminkständen, Karaoke-Bühne, Catwalk und einem unendlichen begehbaren Kleiderschrank soll das Traumhaus die Mädchen in die Plastikwelt eintauchen lassen. Die Kritik an dem 2500 Quadratmeter großen pinken Klotz am Alexanderplatz stößt auf manch taube Ohren, ein Protest gegen das Spieleparadies wird als völlig übertrieben abgetan.

Warum Barbie ein schlechtes Vorbild ist, zu stereotypen Rollenbildern beiträgt und auch Jungs die rosarote Brille tragen sollten! Und – wieso das alles auch was mit Nazis zu tun hat!

“Das Problem ist nicht eine Barbie. Das Problem ist eine Welt, die an Barbie angelehnt ist.” sagt Stevie Schmiedel, Mitbegründerin der Initiative Pinkstinks. Das Dreamhouse in Berlin baut auf einem weiblichen Rollenbild auf, in dem die Frau immer schön auszusehen hat. Das zeigen auch die Auswahlmöglichkeiten der Austellung: Kochen, Schminken, Stylen – das soll Barbie. Die inzwischen 54 jährige Halbgöttin Barbie kann zwar alles werden: Astronautin, Ärztin und Politikerin, dennoch vermittelt die pinke Puppe, dass einem alle Türen offen stehen, wenn man nur hübsch ist, zu burschikos sollte man nicht sein. Die Barbie schafft das Bild einer Frau, deren Aufgabe und absolute Erfüllung im Leben das Gutaussehen, Singen, Kochen und Schminken ist. Unserer Meinung nach ein sehr oberflächliches, klischeehaftes Bild.

Die Kritik am Barbie Dreamhouse damit abzutun, es sei doch nur Spielzeug und Spielzeug, transportiert keine tiefere Botschaft, verkennt den Vorbildcharakter der Puppe für so viele (Mädchen) weltweit total.

Gerade das realitätsnahe Spielen mit menschenähnlichen Figuren ist für Kinder bedeutend, Spielzeuge sind Identifikationsträger*innen und genau deshalb sehr entscheidend in der Kindesentwicklung. Frauen leiden in dieser Gesellschaft oft unter einem ständigen Schönheitszwang, den uns sowohl Barbie als auch Medien und Werbung immer wieder propagieren. Natürlich kann man nicht nur Barbie dafür verantwortlich machen, dass viele junge Mädchen unter Essstörungen leiden und sich unwohl in ihrem Körper fühlen, doch ist die Barbie von alldem auch nicht wegzudenken. Das Barbie-Bild ist ein weibliches Schönheitsideal mit großen Brüsten, langen Haaren, flachem Bauch und schmaler Taille, dem Millionen Mädchen hinterhereifern. Wie Barbie – so wird suggeriert – sehen Frauen aus, die Anerkennung bekommen. Das “Gutaussehen” jedoch mal genauer unter die Lupe genommen, wäre der Einheitskörper der populären Püppchen magersüchtig und bewegungsunfähig.

Barbie zieht sich gerne schick, feminin und pink an, singt und schminkt gerne. Mag sein, dass Leute das so gerne tun, wer sagt aber, dass das alle Mädchen gerne tun? Wer sagt, dass Pink nix für Jungs ist? 

Das geschlechtsspezifische Kleiden in rosa & blau ist weder uralt, noch ist Rosa eine “Mädchenfarbe” – ganz im Gegenteil sogar! Ein Blick in die Geschichte verrät, dass Blau im wesentlichen sogar die weiblichere Farbe war. Dennoch erscheint es heutzutage als wären die Farben geschlechtlich gepachtet oder sogar irgendwie natürlich: Es ist unglaublich schwer, bewusst dem Rosa-Hellblauen Wahnsinn im Spielzeugregal oder bei der Klamottenwahl aus dem Weg zu gehen, sich bzw. seinen Nachwuchs nicht in diese Kategorien einzuordnen. Und es wird immer schwieriger, denn man hat den Eindruck, dass Werbung und Produkte immer mehr “gegendert” werden: Der Spielzeugmarkt spuckt immer mehr, immer abgestecktere Zielgruppen als früher aus.

“Lego Friends”, das “Mädchen-Überraschungsei in pink” und das “Rosa Bobbycar”, braucht’s das wirklich? An Kitsch und Rosa als Farbe ist nichts auszusetzen, an die komische Bindung zu Geschlechter jedoch schon.

Mädchen haben es dabei wahrscheinlich noch leichter: Es ist weitaus akzeptierter, wenn man als Mädchen mehr Lust auf Superman und Matschhose hat als wenn ein Junge das Rosa “Überraschungsei” präferiert und gerne Prinzessin spielt. Das ist ziemlich bescheuert, denn Pink ist auch nur eine Nuance im der kunterbunten Farbpalette dieser Welt, niemand hat sie gepachtet und Geschmäcker sind einfach verschieden. Eine Farbe zu mögen, sagt nichts über den Charakter einer Person aus und genau deshalb auch kein Zeichen für “Schwäche”, eine bestimmte sexuelle Orientierung oder ähnlich absurde Vorurteile.

 Und was hat das nun mit Nazis zu tun?

Das Geschlechter-Rollenmodell, das zumindest äußerlich bei Ken und Barbie vermittelt wird, ist dem traditionellen Bild innerhalb einer völkischen Gemeinschaft wie die Nazis sich das wünschen und leben, sehr anschlußfähig. Anders gesagt: “Richtige Frauen” und “richtige Männer” – das verspricht der Rechtsextremismus seinen Anhänger*nnen, dafür bietet Barbie  durchaus einige Anschlussflächen. Damit ist natürlich nicht jede*r Barbiefan ein Nazi. Aber – Barbie kann eben durchaus zu dem völkischen Rollenmodell der Nazis beitragen.

Der Protest gegen das Traumhaus, zu dem die Gruppe Occupy Barbie Dreamhouse am 16. Mai aufruft, richtet sich nicht gegen Barbie, das Puppenspielen, die Farbe Pink oder Kitsch, wohl symbolisch aber gegen das Rollenbild und Schönheitsideal, das Barbie vermittelt. Gegen den Zwang als Mädchen nur Kochen, Schminken und Klamotten gut zu finden und immer gut aussehen zu müssen. Dagegen, dass Puppen pink und schlank sein müssen und nur was für Mädchen seien. Es gibt genug Alternativen, die weitaus weniger sexistisch sind als Barbie und Ken, Pippi Langstrumpf und Bibi Blocksberg sind dafür nur zwei Bespiele!

Jede*r sollte sich von einer seltsamen gesellschaftlichen Norm nicht die Welt noch grauer und einseitiger machen lassen als sie eh manchmal ist: Geschlechtsspezifische Spielzeuge sind eine Einschränkung, die Konnotation einer Farbe für eine bestimmte Menschengruppe Blödsinn. Eine rosarote Brille auf die Welt kann niemandem schaden! So werden wir vielleicht die völkischen Weltbilder der Nazis besser los.

Was meint ihr zum “Barbie Dreamhouse”? Pinke Traumwelten oder ein Alptraum in Pink?

 

Ein Text von Martha Grau

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1 Kommentar

  1. Guido Quiller sagt:

    Ihr habt doch echt den Schuß nicht gehört. So ein qualifizierter Schwachsinn ist selten zu lesen.

    [WORDPRESS HASHCASH] The poster sent us ‘0 which is not a hashcash value.

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