Neonazi-Archetypen in Sozialen Netzwerken (1):

Autonome Nationalist/innen

Welche Archetypen von Nazis sind in Sozialen Netzwerken aktiv? Wie nennen sie sich, was finden sie gut und wie versuchen sie, andere Leute anzusprechen? Heute: Autonome Nationalist/innen – der „nationale schwarze Block“.

Autonome Nationalist/innen – der „nationale schwarze Block“

Spaß, Widerstand, Rebellentum: Der Auftritt der „Autonomen Nationalist/innen“ in den Sozialen Netzwerken spiegelt ihre Affinität zu jugendkulturellen Szenecodes sowohl in ihren Selbstinszenierungen als auch in Grafiken und Videos wieder. Dabei ist besonders erschreckend, wie werbewirksam und professionell die Grafiken und Videos der „Autonomen Nationalist/innen“ gestaltet sind. Filme, die Aufmärsche stilisieren und zeitgemäße, popkulturelle Anleihen sorgen für Assoziationen, die sich im Bereich frisch, jung, hip und cool bewegen und damit auf den ersten Blick oft nicht als rechtsextrem zu erkennen sind. Thematisch findet sich allerdings nicht viel Neues: „Nationaler Sozialismus“ wird gepredigt und völkische Ideologie verbreitet. Es geht vor allen Dingen um die eigene Inszenierung, weniger um Inhalt. Slogans wie „Autonom und militant – nationaler Widerstand“, „Bock auf Nationalen Sozialismus“ oder auch „Sommer, Sonne, Widerstand – wir wollen leben“ (gegen den vermuteten „Volkstod“) werden auf bunten Bildern verbreitet. Eher martialisch wirken die Profilbilder: Vermummt mit Mundtuch, Sonnenbrille und Baseballkappe wird die Zugehörigkeit zum „nationalen schwarzen Block“ demonstriert.

Militanz und Gewaltbereitschaft zeigt sich auch in „Anti-Antifa“-Symboliken. Gemeint ist damit, vermeintliche politische Gegner ausspionieren und einschüchtern zu wollen. Interessant ist bei den „Autonomen Nationalist/innen“ die politische Einordnung, die manchmal auch als „grün“ erfolgt. „Autonome Nationalist/innen“ erschließen sich – mit der rechtsextremen Ideologie im Rücken – neue Themenfelder, die viele Jugendliche interessieren: so etwa Umweltschutz (als „Heimatschutz“ auf der Basis der Blut-und-Boden-Ideologie), Tierschutz (z.B. rassistische Argumente gegen das Schächten) oder Kapitalismuskritik („völkischer Antikapitalismus“ gemäß der NS-Parole „Gemeinnutz statt Eigennutz“ für die „Volksgemeinschaft“). Deshalb macht es Sinn, bei Profilen mit der Bildsprache einer autonomen Szene genauer hinzugucken. Bei „Autonomen Nationalist/innen“ trägt Bart Simpson manchmal ein antisemitisches „Fuck Israel“ auf dem T-Shirt. (ag/jb)

Mein Profil-Name: 
Lena Gnls (= „Good night left side“), Frei sozial und national, Manuel Erlebnisorientiert, Kay Still Loving Germany, NW Lübeck (= „Nationaler Widerstand“)
Typische Begriffe und Slogans auf meinem Profil:
„Nationaler Sozialismus“, „nationaler schwarzer Block“, „Anti-Antifa“, „Umweltschutz ist Heimatschutz“, „Good night left site“
Auf meinem Profilbild: 
vermummt, autonomer Look mit Kapuzenpulli, Sonnenbrille und „Pali“-Tuch oder meine Lieblingssymbole
Meine Lieblingssymbole: 
Schwarze Fahne der NSBA („Nationale Sozialisten Bundesweite Aktion“), geklaute Anti-Rechts-Aktionen, die umgedeutet werden („Kein Bock auf Israel“ statt „Kein Bock auf Nazis“ u.a.)
Meine Lieblingsmusik: 
Hardcore, Metal, N’Socialist Soundsystem, Frei.Wild, KrawallBrüder, Dee Ex, Makss Damage
Meine Lieblingslektüre: Der Blog Widerstand, logr-Blogs der zahlreichen AN-Gruppierungen, Spreelichter
Meine Lieblingsfilme: Braveheart, 300, Der Patriot
Meine Lieblingszitate: „Klagt nicht, kämpft!“

* Die Beschreibung ist beispielhaft und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! *

Weitere Archetypen findet ihr (bald) hier!

Dieser Text ist ein Auszug aus der neuen Broschüre von netz-gegen-nazis.de und no-nazi.net: “Zwischen Propaganda und Mimikry – Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken“. Sie steht hier zum Download bereit und kann – solange der Vorrat reicht – per Mail bestellt werden unter: netz@amadeu-antonio-stiftung.de. Versand gegen Portokosten. Über das Projekt no-nazi.net bieten wir auch Workshops zum Thema “Nazis in Sozialen Netzwerken” an.

Die Broschüre zum Download auf no-nazi.net:
| Broschüre 2012

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5 Kommentare

  1. leider wir die Band KrawallBrüder wieder einmal in die Rechte ecke gedrängt.
    dort gehört sie aber nicht hin.
    Erklärung der Band “Krawallbrüder” zu der Spendenaktion für “Laut gegen Nazis e.V:
    Des Weiteren haben wir die Entscheidung getroffen im Rahmen unserer Tour eine Spendenaktion für den “Laut gegen Nazis e.V.“ durchzuführen, dieser setzt sich unter anderem für Opfer rechter Gewalt ein. Weitere Infos findet ihr auf deren Homepage: http://www.lautgegennazis.de/

    Wir sprechen uns immer wieder gegen eine extreme politische Haltung / Faschismus aus und „unpolitisch“ zu sein bedeutet für uns auch nicht, dass uns Politik generell am Arsch vorbeigeht oder dass wir alles und jeden tolerieren müssen.

    Wir können diesen Schritt aus folgenden drei Gründen mit uns und unserer Einstellung vereinbaren:
    1. Wir sind seit jeher gegen Faschismus und Extremismus jeglicher Art und betonen das auch immer wieder. Wer unsere News und Blogs verfolgt und uns ab und an auch mal auf der Bühne zuhört wird dem nur zustimmen können.

    2. Gegen Faschismus, Rassismus und menschenverachtende Handlungen zu sein hat unserer Meinung nach nichts mit „Politik“, sondern eher mit gesundem Menschenverstand zu tun. Wer z.B. die Vorfälle der sogenannten Dönermorde hochjubelt oder für richtig empfindet, dem ist einfach nicht mehr zu helfen.

    3. Der „Laut gegen Nazis e.V.“ handelt überparteilich, was soviel heißt dass das Geld weder in den Rachen von Politikern verschwindet, noch dass irgend eine Partei hierbei ihre Finger im Spiel hat, noch dass hierbei irgendwelche politischen Fanatiker unterstützt werden.

    Wie ihr nun zu unserer Entscheidung steht, oder was ihr nun davon halten sollt oder wollt, bleibt völlig euch überlassen. Wir jedenfalls können nur betonen:
    „NEIN, wir werden in kein politisches Lager ziehen, noch werden wir zu einer politischen Band werden! Wir sagen nur das, was uns stört und was auch definitiv nichts in einer Subkultur oder einer anderen Gesellschaft verloren hat. Amen“
    Quelle: Laut gegen Nazis e.V

  2. anna sagt:

    @Nazis löschen: Super, dass ihr Euch gegen Nazis engagiert. Hier steht aber nur, dass diese Art von Nazis gern Eure Musik hört. Und das ist leider eine Tatsache. Ich hoffe, dass die bald mitbekommen, dass ihr sie gar nicht als Fans wollt, weil ihr den Rassismus, Antisemitismus und Hass nicht teilt. Sorgt ihr denn auch bei Konzerten dafür, dass Neonazis euren Veranstaltungen fernbleiben? Wie wissen eure Fans von eurem Engagement gegen Rechtsextremist/innen? Habt ihr das auch auf eurer eigenen Homepage angeben oder nur bei ‘Laut gegen Nazis’? Vielleicht könnte das helfen.

  3. Nazis Löschen sagt:

    Dies ist eine Erklärung der Band KrawallBrüder,wir selber gehören nicht zur Band.
    Und leider ist es wirklich so das viele Nazi Skinheads die Musik von Bands wie KrawallBrüder hören und dadurch werden Bands wie sie, oft mit Rassistischen Skins in zusammenhang gebracht.

  4. Alexander sagt:

    Hallo ;)

    Ich bin selber – linksgerichteter, als traditioneller – Skinhead, und ich finde es dann ein wenig bedenklich das Bands wie Krawallbrüder oder Frei.Wild zu den Autonomen Nationalisten sortiert werden! Sicherlich gibt es rechte Idioten die beide Bands gerne hören ( und es gibt einige Kontroversen über Frei.Wild ) – aber dennoch würde ich das auf keinen Fall so krass beurteilen, dass diese Bands die Musik für die Autonome Nationale liefern…..

    Ebenfalls nicht nachvollziehen kann ich die Filme die hier angegeben werden – ich habe keine ahnung was die mit Rechts zu tun haben sollen?

  5. anna sagt:

    Hallo Alexander,
    wir behaupten an keiner Stelle, dass wir Krawallbrüder oder Frei.Wild zu Autonomen Nationalist/innen zählen. Wir zeigen nur auf, dass Neonazis dies in ihren Profilen angeben. Und wieso es eventuell zu Bezügen der rechtsextremen Szene zu Frei.Wild und Krawallbrüder oder auch anderen Bands kommt, schau doch mal unter: http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/markenrecht-oder-meinungsfreiheit-freiwild-gegen-frei-schnauze-9175
    Das Gleiche gilt übrigens für die Filme! Neonazis geben gern allgemein populäre Filme an, die anschlussfähig sind. Warum sie dies zum Teil tun, kannst du in unserer Broschüre in den kleinen Erklärungskästen zu einzelnen Filmen finden. Damit ist niemand, der Braveheart gern schaut automatisch ein Neonazi, aber es gibt eben Neonazis, die z.B. diesen Film aus ganz bestimmten Gründen anschauen.

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