Kein Platz für Nazi-Phrasen!

Argumentieren gegen Rechts

Foto: kebox/fotolia

Was tun, wenn wir in Sozialen Netzwerken unterwegs sind und dabei auf diskriminierende Aussagen treffen? Neonazis, die über Kommentare rassistische Vourteile auspacken und eine Flut von vermeintlichen Argumentationen ausschütten?

Ignorieren? Und die dumpfen Aussagen einfach so stehen lassen!? Oder doch lieber darauf eingehen und versuchen dagegen zu argumentieren? Bringt das überhaupt was? Diskutieren mit Nazis?

Für diese Fragen gibt es leider keine Universal-Antwort. Doch es gibt gute Ideen, wie man reagieren kann. Im Endeffekt kommt es immer auf die konkrete Situation an. Ist es wirklich ein*e überzeugte*r Neonazi, von der*dem die rassitischen Argumente ausgehen? Oder handelt es sich um Vorurteile, die häufig in der Gesellschaft anzutreffen sind und die möglicherweise aus Unwissenheit wiedergegeben werden?

Häufig sind es platte Parolen, mit denen Vorurteile ausgepackt und Menschen abgewertet werden. Auch wenn man versucht dagegen zu argumentieren, ist die andere Seite manchmal gar nicht an einer Diskussion interessiert.

Es kann auch vorkommen, dass die Vorurteile mit angeblichem Wissen belegt werden und man durch Zahlen und angebliche Fakten eingeschüchtert wird. Und das, obwohl man selbst fest überzeugt davon ist, dass es zum Beispiel nicht “die Ausländer” sind, die die Arbeitsplätze wegnehmen, sondern dass das Problem Arbeitslosigkeit viel komplexer ist.

Doch wie kann ich das klar machen, auch wenn ich dafür keine wissenschaftliche Studie vorlegen kann?
Wenn man bei Kommentaren feststellt, dass Menschen(gruppen) abgewertet werden, sollte man darauf reagieren. Und das kann jede*r von uns, auch ohne argumentativ super fit zu sein. Manchmal reicht es auch einfach “kein Bock auf Nazis und deren Einstellungen”, aber dafür menschliche Grundwerte zu haben.

Sperrfunktion
Bei Sozialen Netzwerken gibt es die Möglichkeit, bestimmte Kommentare sperren zu lassen. Seiten und Personen, die diskriminierende Inhalte verbreiten, können gemeldet und menschenverachtende Kommentare gelöscht werden. Das funktioniert leider nicht immer. Dieser administrative Weg ist manchmal recht kompliziert und es gibt leider auch andere Möglichkeiten wie diskriminierende Inhalte trotzdem verbreitet werden können.  Auch wenn Seiten und Personen gesperrt werden, tauchen sie oft kurze Zeit später unter anderem Namen wieder auf. Das heißt, Melden ist wichtig! Aber nicht die einzige Lösung.

Wenn man auf einen diskriminierenden Kommentar reagieren möchte, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann zum Beipiel …

 

… Hinterfragen
Nachfragen, “wie meinst du das genau?”, “was verstehst du unter Ausländer?”, “was möchtest du mit deiner Aussage bezwecken?” führen manchmal schon dazu, dass Widersprüche in der Argumentation aufgezeigt werden können.
Wenn ersichtlich wird, worauf manche Kommentare abzielen, kann die diskriminerende Absicht klar aufgezeigt werden. Durch gezieltes Nachhaken entlarvt sich der oder die Gegenüber oft.

… Grundhaltung klar stellen
Wenn die Argumentation auf einem Weltbild fußt, das Menschen gegenüber anderen von Grund auf abwertet, kann direkt darauf hingewiesen werden. Um den eigenen Standpunkt klar zu machen, kann man deutlich machen, dass menschliche Grundwerte die eigene Basis für eine Diskussion sind. Etwa nach dem Motto: “Da ich in deinen Aussagen keine Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte erkennen kann, beende ich die Diskussion an dieser Stelle”.

… als platte Parole ablehnen
Rechte Parolen wie “Ausländer raus” sind emotional aufgeladene Aussagen, die meist keiner Argumentation zugrunde liegen. Solchen platten Aussagen kann man direkt entgegen treten und ablehnen. Parolen sind für Gegenargumentation meist nicht zugänglich.

… als Vorurteil enttarnen
Rassistische Aussagen wie “Die Ausländer sind krimineller als Deutsche” funktionieren häufig nach einem ganz bestimmten Prinzip. Um vielschichtige gesellschaftliche Prozesse und Probleme zu erklären, werden willkürlich Gruppen gebildet, die dafür verantwortlich gemacht werden sollen. Bestimmte Gruppen von Menschen werden zu so genannten “Sündenböcken” gemacht. Oft werden Einzelerfahrungen verallgemeinert oder Vorurteile ohne nachzudenken wiedergegeben und verbreitet.

Solche Vorurteile können einfach abgelehnt oder auch durch Gegenargumentation widerlegt werden. Oftmals ist das nicht gerade einfach und man befürchtet zu wenig Wissen zu haben, um die Diskussion “gewinnen” zu können. Darum sollte es aber in erster Linie nicht gehen. Wir wollen euch empowern, bei diskriminierenden Aussagen eure Meinung kund zu tun! Seid ermutigt, euch aktiv den Raum zu nehmen, der frei von Diskriminierung und Vorurteilen ist!

Nächste Woche werden wir uns rechte Argumente anschauen und Möglichkeiten aufzeigen wie man inhaltlich dagegen vorgehen kann.

Wir wollen auch wissen was ihr schon für Erfahrungen gemacht habt! Habt ihr euch schon einmal auf eine Argumentation mit rechten Inhalten eingelassen? Wusstet ihr beim letzten Mal, nicht wie am besten reagieren? Habt ihr weitere Ideen, wie man reagieren kann? Schreibt uns an: nonazinet@amadeu-antonio-stiftung.de

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