Rechtspopulismus: Parolen, Akteur*innen, Medien #5

Heute geht es mit unserem 5. Teil der Serie “Rechtspopulismus: Parolen, Akteur*innen, Medien” weiter. Unter Rechtspopulismus verstehen wir übrigens einen populistischen Politikstil, der mit rechten Inhalten zusammengebracht wird. Rechtspopulistische Politiker*innen nutzen die erhöhte Arbeitslosigkeit, die weltweite Wirtschaftskrise oder die Globalisierung aus, um Ängste zu schüren (weitere Informationen zu rechtspopulistischen Parolen, findet ihr hier). Wir haben uns schon mit rechtspopulistischen Parteien, wie “Pro Deutschland” oder der “Die Freiheit” beschäftigt. Außerdem haben wir uns angeschaut welche Medien rechtspopulistische Inhalte verbreiten. (Weitere Infos dazu, hier)

In diesem Teil soll es um eine relativ neue Erscheinung gehen, die teilweise der rechtspopulistischen Szene zugeordnet werden kann: Die Identitäre Bewegung.

Das Phänomen der “Identitären Bewegung” tauchte in Deutschland erstmals im Oktober 2012 auf. Die Vordenker dieser “neuen Bewegung”, die sehr viel im Internet agiert, sind in Frankreich zu finden. Die “Jeunesses identitaires” (franz. “Jugendliche Identitäre”) sowie dem “Bloc identiaire”, was soviel wie “Block Identität” heißt, gelten als Vorreiter der Identitären Bewegung in Deutschland. Als Symbol dient ein gelbes Lambda auf schwarzem Grund, das auf zahlreichen selbst erstellten Fotos und Grafiken prangt.

Identitäre Bewegung -eine rechtspopulistische Jugendszene?

Was die Identitäre Bewegung propagiert, ist teilweise deckungsgleich mit den Inhalten rechtspopulistischer Parteien und der Szene der “Neuen Rechten”. Die rassistische und islamfeindliche Ideologie wird durch aufwändig erstellte Fotos jugendgerecht aufbereitet. Eine menschenverachtende Einstellung hinter den Internetseiten und Fotos ist nicht schnell zu enttarnen.

Mit Sätzen wie “Es gab eine Zeit der ethno-kulturellen Identität, OHNE Multikulti -Utopia, Islamisierung, politische Korrektheit, Gender Mainstreaming, ethno-kulturelle Selbstabschaffung” sollen Jugendliche angesprochen werden. In diesem Satz stecken viele Inhalte, die durch die “Identitäre Bewegung” repräsentiert werden und gleichzeitg von einer rassistischen Ideologie zeugen: Es wird sich gegen die “Multikulti-Utopia” gestellt und eine drohende Islamisierung angesprochen, die Deutschland bedrohen würde. Die Menschen in Deutschland sollen sich wieder auf ihre “wahre” ethno-kulturelle Identität zurückbesinnen und zu Deutschland und ihrer Herkunft stehen. Die eigene “deutsche” und “christliche” Identität soll gegen den “bedrohlichen” Islam geschützt werden. Menschen, die den islamischen Glauben leben oder einfach nicht als “deutsch” wahr genommen werden, weil sie ein Kopftuch tragen oder Schwarz sind, werden per se als Bedrohung bezeichnet.

Es wird ein “Wir” und “die Anderen” konstruiert, dass eine automatische Diskriminierung mit sich zieht. In dem Satz wird sich auch gegen “Gender- Mainstreaming”, also der Gleichstellung von Mann und Frau gestellt. Die Forderung dahinter: Es soll wieder “richtige” Männer und “richtige” Frauen geben, die ihre Leben nach dem Geschlecht ausrichten. Frauen sind somit für das Haus und die Kinder zuständig, während der Mann arbeiten geht und das Geld nach Haus bringt.

Aktionismus “offline” und im Internet 

Besonders präsent sind die Aktivist*innen der “Identitäre Bewegung” im Internet. Die Sozialen Netzwerke dienen als Werbeplattform und sollen neue Mitglieder rekrutieren. Besonders beliebt sind grafische Bilder mit Slogans, die gegen “den Islam” hetzen und die “eigene Identität” stärken sollen. Aber auch außerhalb des “world-wide-web” versucht sich die “Identitäre Bewegung” zu profilieren. Aktionen wie Flashmobs oder andere direkte Aktionen sollen gerade junge Menschen ansprechen.

Wer steckt dahinter?

Da das Phänomen noch relativ neu ist, kann noch nicht einheitlich gesagt werden, wer hinter der “Identitären Bewegung” steht. Fest steht: Die “Identitäre Bewegung” ist in Deutschland keine einheitliche. Aus fast jeder größeren Stadt Deutschland gibt es bei Facebook “Identitäre- Gruppen”, die Fotos und Artikel posten. Diese Tatsache zeugt jedoch nicht automatisch davon, dass auch in ganz Deutschland Akteur*innen dieser Bewegung vorhanden sind. Eine Facebook- Seite mit dazugehörigen Fotos ist schnell erstellt, ohne dass es viele Menschen dahinter geben muss. Es gibt jedoch gerade junge Menschen, die schon vorher in neonazistischen oder rechten Kreisen unterwegs waren, die diese neue Bewegung unterstützen. Neonazis der Kameradschaft  “Nationale Sozialisten Rostock” tanzten im August 2012 mit Masken verkleidet zu “Hardbass”- Musik durch die Innenstadt und bezogen sich damit auf die “Identitäre Bewegung”.

Aber nicht nur aus der extremen Rechten wird dieses Phänomen für gut geheißen: Auch die Jugendzeitung “Blaue Narzisse” (No-Nazi.Net berichtete), die der Strömung der “Neuen Rechten” zuzuordnen ist, wirbt öffentlich für die “Identitäre Bewegung”. Es kann jedoch nicht  davon ausgegangen werden, dass nur Personen hinter der “Identitäre Bewegung” stecken, die schon vorher in rassistischen Organisationen politisch aktiv waren. Am 19. Juni 2013 postete die “Identitäre Bewegung” auf ihrer offiziellen Internetseite ein Interview mit ihrem “Obmann” in Deutschland. Dieser war, bevor er sich für die “IB” engagierte in der “Jungen Union”, der Jugendorganisation der CDU aktiv, bis er im Netz auf das neue Phänomen stieß.

Habt ihr noch Themen, die euch rund um den Schwerpunkt “Rechtspopulismus” interessieren? Schreibt uns doch ‘ne Mail an nonazinet@amadeu-antonio-stiftung.de!

 

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