Welche Rolle spielte Beate Zschäpe im NSU?

Im April wird der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier weitere Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in München beginnen. Prozess-Beobachter*innen sind sich sicher: Beate Zschäpe trägt eine große Verantwortung daran, dass der NSU 14 Jahre lang mordend durch Deutschland ziehen konnte. Denn sie bewahrte die “bürgerliche” Fassade, während der Zeit im “Untergrund” und war strategisch an den Morden des NSU beteiligt.

In der Anklageschrift wird Beate Zschäpe die Mittäter*innenschaft bei zehn Morden, der Vorwurf der besonders schweren Brandstiftung und des Mordversuchs, die  Mittäter*innenschaft bei zwei Sprengstoffanschlägen sowie bei fünfzehn bewaffneten Raubüberfällen vorgeworfen. Die Bundesanwaltschaft und Expert*innen der Neonazi- Szene sind sich einig darüber, dass Beate Zschäpe einen sehr wichtigen Part in der Mordserie des NSU einnimmt.

Auch wenn sie wahrscheinlich keinen der zehn Morde selber ausführte, wird davon ausgegangen, dass sie strategisch an der Mordserie beteiligt war. Beate Zschäpe mietete Wohnwägen an, die Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt benutzten um in die Städte zu fahren, um dort migrantische Kleinunternehmer in ihren Geschäften umzubringen. Darüberhinaus soll Beate Zschäpe Pässe besorgt haben und für das Geld verantwortlich gewesen sein, dass die beiden Uwes bei den Banküberfallen erbeuteten. Aber sie war nicht nur intern für den NSU wichtig, sondern auch für das Leben außerhalb der eigenen vier Wände.

Die Fassade der “normalen” Familie

Beate Zschäpe bewahrte die Fassade der “normalen” Familie, während Böhnhardt und Mundlos die zehn Morde ausführten. Obwohl die drei Neonazis seit dem Jahr 1998 im “Untergrund” lebten und von der Polizei gesucht wurden, war es für die drei möglich, ein relativ normales Lebens nach zugehen. Anders als ihre männlichen Kameraden pflegte Beate Zschäpe einen guten Kontakt zu Nachbar*innen und tauschte sich mit diesen über private Dinge aus. Beate Zschäpe spielte für ihre Umgebung immer die freundliche und aufmerksame junge Frau. Die beiden Männer, Mundlos und Böhnhardt, die zusammen mit ihr in einer Wohnung wohnten, waren in der Öffentlichkeit nie präsent. Dass hinter der Frau von nebenan, die sich immer so um ihre Katzen sorgte, eine Rechtsterroristin verstecke: Für viele Menschen unvorstellbar.

Rechte Aktivistinnen werden verharmlost

Das Bild, das von weiblichen Neonazis in der Gesellschaft vorherrscht, ist verheerend, da es die wichtige Rolle der Frauen innerhalb der Neonazi- Szene verharmlost. Denn weibliche, rechte Aktivistinnen werden selten als bedrohliche und gewalttätige Personen ernst genommen. Die Vorurteile, das Neonazi-Frauen immer die Freundinnen von männlichen Neonazis sind, oder diese nicht strategisch an rechtsextremer Politik beteiligt seien, verharmlost die Gefahr, die auch von Frauen ausgehen kann. Der Fall Beate Zschäpe zeigt deutlich, wie wichtig weibliche Neonazis für die rechte Szene sind.

Gegen den NSU und alltäglichen Rassismus auf die Straße

Da der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier weitere NSU-Unterstützer im April in München beginnt, veranstalten mehrere Organisationen dort eine bundesweite Demonstration. Diese soll nicht nur die schrecklichen Taten des NSU, sondern auch den alltäglichen Rassismus thematisieren, der für die Taten und das lange Bestehen der NSU verantwortlich ist. Außerdem soll auch die Rolle der Sicherheitsbehörden behandelt werden, die lange Jahre das Tatmotiv “Rassismus” kategorisch ausschlossen und dafür die Angehörigen der Opfer als angebliche Täter fokussierten.


Mehr Info
s zur Demo in München: 13. April 2013 in München // 14Uhr // Stachus

 

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