Vorsicht! Wieder missbrauchen Nazis den Missbrauch für ihre Propaganda

Mal wieder versuchen Rechtsextreme mit dem Thema “Kindesmissbrauch” Aufmerksamkeit zu erringen und ihre Demokratie- und Menschenfeindliche Ideologie unterschwellig an nicht-rechtsextreme Bürger*innen zu bringen.

Nachdem im November 2011 die Seite rechtsextreme Seite “Keine Gnade für Kinderschänder” endlich nach ewigen Beschwerden und Meldungen von User*innen bei facebook gelöscht wurde, bildeten sich immer wieder kleine bis mittelgroße Kampagnen und Seiten von Neonazis.

Die noch harmloser klingendere Nachfolge-Seite “Deutschland gegen Kindesmissbrauch” ruft nun zur Veranstaltung “1 000 000 Stimmen gegen Kinderschänder” auf. Im Banner der Veranstaltung heißt es “Die Welt gegen Kinderschänder” – skurrilerweise vor dem Hintergrund einer Deutschland-Flagge, womit die Macher*innen schon im Banner zeigen, dass für sie Deutschland und die Welt das Gleiche bedeuten.

Sexueller Kindesmissbrauch von Kindern ist ein emotional stark aufgeladenes Thema, das in sozialen Netzwerken immer zu hitzigen Diskussionen führt. Wer sich aufregt, ist rationalen Argumenten oft nicht mehr zugänglich und dementsprechend empfänglicher für radikale Aussagen und Lösungen. Dort setzen beispielsweise Slogans wie “Todesstrafe für Kinderschänder” an. Unter dem Deckmantel des Kinderschutzes versuchen Neonazis, Rechtsstaatlichkeit und Grund-Prinzipien unserer Demokratie zu unterwandern.

Wir haben euch hier einige Merkmale rechtsextremer Propagandaseiten zur Orientierung zusammengestellt:

1. Rechtsextreme sprechen häufig von “Opfern”, was mit Hilflosigkeit assoziiert wird und den Eindruck erweckt, die “Opfer” könnten sich nicht selbst wehren. Seriöse Initiativen nutzen vermehrt das Wort “Betroffene”, um die emotionalen Konnotationen möglichst gering zu halten.

2. Rechtsextreme Seiten legen ihren Fokus auf die Täter*innen, nicht auf die Betroffenen. Es geht ihnen nicht um Hilfe für die Betroffenen, sondern um die Verfolgung der Täter*innen. Oft werden “Auge um Auge, Zahn um Zahn”-Metaphern benutzt und Selbstjustiz befürwortet.

3. Auch das stark emotional aufgeladene Wort “Kinderschänder” wird häufig von Rechtsextremen genutzt, um den Schwerpunkt des umfangreichen Themas “Sexueller Kindesmissbrauch” auf dieVerfolgung der Täter zu lenken. Das hier schon im Vokabular das Kind “geschändet” wird, fällt erst beim zweiten Hinsehen auf. Also Vorsicht, wenn von “Kinderschändern” die Rede ist!

Engagement gegen Kindesmissbrauch ist richtig und wichtig. Kampagnen und Initiativen im Internet versuchen, die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für dieses Problem zu erhöhen. Wenn ihr auch virtuell daran beteiligen möchtet, solltet ihr allerdings darauf achten, dass ihr durch euren “Gefällt mir”-Klick nicht versehentlich Rechtsextremist*innen unterstützt. Denn der Spruch “Der Zweck heiligt die Mittel” gilt hier nicht. Genauso wenig ist deine Stimme gegen Kindesmissbrauch unpolitisch. Mit der Forderung nach der Todesstrafe beziehst du ganz klar Stellung – du stellst dich auf die Seite der Rechtsextremen.

Um auf die rechtsextreme Facebook-Veranstaltung “1 000 000 Stimmen gegen Kinderschänder” aufmerksam zu machen, läuft jetzt die Initiative  “1 000 000 Stimmen gegen die Instrumentalisierung von Kindern für Propaganda”. Die Initiator*innen möchten mit dieser Veranstaltung auf die Gefahren solch tendenziöser Aufrufe hinweisen. Wir machen mit! Teilnehmen, teilen, Freunde einladen!

Übrigens: Wie gesagt – das Thema ist nicht neu. Wenn ihr euer Wissen zu rechtsextremen Kampagnen im Internet vertiefen oder auffrischen möchtet, könnt ihr das hier und hier tun. Unser kleines Quiz zum Thema “Nazis missbrauchen Missbrauch” findet ihr hier.

 

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3 Kommentare

  1. [...] Mal wieder versuchen Rechtsextreme mit dem Thema “Kindesmissbrauch” Aufmerksamkeit zu erringen und ihre Demokratie- und Menschenfeindliche Ideologie unterschwellig an nicht-rechtsextreme Bürger*innen zu bringen. Nachdem im November 2011 die Seite rechtsextreme Seite “Keine Gnade für Kinderschänder” endlich nach ewigen Beschwerden und Meldungen von User*innen bei facebook gelöscht wurde, bildeten sich immer wieder kleine bis mittelgroße Kampagnen und Seiten von Neonazis. Die noch harmloser klingendere Nachfolge-Seite “Deutschland gegen Kindesmissbrauch” ruft nun zur Veranstaltung “1 000 000 Stimmen gegen Kinderschänder” auf. (no-nazi.net) [...]

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  2. Helmut PERSCHON sagt:

    Es gibt zwar viele Anhänger dieser Scheiß-Gruppen, die nur Vakuum inner Birne haben, aber deren Anführer haben schon was an Intelligenz im Schädel. Nur nutzen sie es für verderbliche Machenschaften.

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  3. Justice sagt:

    Ist doch klar. Was taten die Nazis mit Millionen Kindern, z.B. in Distomo ? Genau, Kinderschändungen. Daher ist die Formel ganz einfach auf einen Nenner zu bringen. Todesstrafe für Kinderschänder ? Nazis sind Kinderschänder, das kann man sich als “akzeptierten Titel” eintragen lassen. Feige ? Wo sind die T-Shirts. Nazis sind Kinderschänder.

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